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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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Die Diskussion der Moralerziehung - 19

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19 Die Diskussion der Moralerziehung In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen erscheinen zuweilen umfangrei- che Publikationen, die sich auf wissenschaftlicher, populärwissenschaftlicher oder populärer Ebene und mit wechselnden Titeln mit den Themen Moral und Moralerziehung befassen. Das Themenfeld bewegt die Geister und Gemüter. Angesichts der gesellschaftlichen und politischen Probleme mit eskalierender Gewalt und angesichts sich verändernder Umgangsformen im öffentlichen und privaten Raum – die aus traditionalistischer Perspektive als Verlust, aus zeitkri- tischer Sicht als Verfall oder in progressiver Interpretation als Wandel der Um- gangsformen erscheinen (vgl. Ahlborn 1996, S. 17) – steht die Frage im Raum, ob die pädagogischen Instanzen versagen, wenn in großem wie in kleinerem Rahmen ‚Moral‘ vermisst wird. Bevor man sich aber an diese Frage heranwagt, drängt sich eine fundamentalere auf: Was sind denn überhaupt die Werte, denen ‚wir’ uns als Gesellschaft ver- bunden fühlen und die ‚wir’ der nachwachsenden Generation weitergeben wol- len? Erst unlängst erschien eine umfangreiche Auseinandersetzung mit diesem Problem. Peter Prange (2007) fragt danach, welche Werte uns EuropäerInnen bedeutsam und verbindlich sind und für welche Werte wir als EuropäerInnen einstehen sollten. Anhand von zwanzig Begriffspaaren stellt er mit Rückgriffen auf abendländische Kulturgüter die werthaften Eigenheiten der „europäischen Seele“ dar, und bedient dabei in den jeweils einleitenden Passagen banale Denk- figuren ebenso wie komplexere, verbindet historische Traditionen und Argu- mentationen elegant zu kleinen Erzählungen, die den Anschein machen, die ge- samte europäische Denktradition zu umfassen. Dabei verzichtet...

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