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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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Resümee: Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral! - 139

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139 Resümee: Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral! Man muss die pädagogische Grundfrage, die schon Herbarts Denken entzündete – Ist Moralerziehung möglich? – doppelt beantworten. Einerseits negativ und desillusionierend: Moralität kann pädagogisch nicht erwirkt werden. Sobald sie ihr Ziel direkt und konzentriert anstrebt, verfehlt sie es. Dieser Befund rekurriert auf die Einsicht von Kant, dass Moralität nicht anders denn als autonome Selbst- tätigkeit des Subjekts gedacht werden könne. Selbst wenn Herbart genau an die- ser Stelle – kritisch – ansetzt, muss auch in seinem Konzept davon ausgegangen werden, dass der ‚Sprung’ zur Moralität letztlich dem Subjekt nicht abgenom- men werden kann und er sich streng genommen nicht herbeiführen lässt: Die Entscheidung, den „Mustern als Mustern“ zu folgen (Herbart) kann ebenso wie die „Revolution“ der Denkungsart (Kant) ausschließlich vom Subjekt selbst vollzogen werden. Erziehung – verstanden als Einwirkung – ist in dieser Hin- sicht tatsächlich nicht möglich. Die öffentliche Forderung nach Moral- und Werteerziehung oder – wie man mit Frank Wistuba paraphrasieren könnte – nach „Moral- oder Wertdressur“ (Wis- tuba 2007, S. 475) mit starken Erwartungen hinsichtlich konkreter und messba- rer Effekte hinkt an zwei Beinen: Erstens liegt ihr ein unangemessenes Ver- ständnis der Erziehung und der beteiligten Subjekte zugrunde. Erziehung er- scheint als Technik zur Vermittlung bestimmter Kompetenzen, Zöglinge als Ob- jekte dieser Manipulation. Sie können sich der Behandlung weder entziehen noch eigene Akzente setzen und sich an ihrer Erziehung beteiligen. Ihnen fällt – im Gegensatz zu...

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