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Kommentare

Interdisziplinäre Perspektiven auf eine wissenschaftliche Praxis

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Edited By Thomas Wabel and Michael Weichenhan

Texte, die zu den geistigen Grundlagen einer Gesellschaft gehören, mögen heute nicht mehr oft gelesen werden, aber sie werden kommentiert. Längst scheint es, als sei der Kommentar an die Stelle des Textes getreten. Kommentierung gehört zur Grundlage geisteswissenschaftlichen Arbeitens. Die Beiträge dieses Bandes reflektieren die eigene wissenschaftliche Praxis des Kommentierens aus der Sicht von Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft und Religionswissenschaft. Die interdisziplinäre Verständigung über diese Praxis gibt zugleich Hinweise auf die gesellschaftlichen und kulturellen Vollzüge, in denen sich Kommentierung als Aktualisierung fundierender Texte ereignet.

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Commentare über das Reichsstrafgesetzbuch (RStGB) – zur Entstehung einer Gattung 145

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CommentareüberdasReichsstrafgesetzbuch(RStGB).Zur EntstehungeinerGattung1 HELMUTPOLLÄHNE DerschlechteKommentarsei–soBinding1881–„einVerbrechenwider PraxiswieWissenschaft,welcheswievieleVerbrechenneuerdingsepi demisch geworden ist. Es ist höchste Zeit, dass dieUrheber desselben endlicheinmalandenPrangergestelltwerdenunddassPraxiswieWis senschaftalleschlechtenundhalbgutenKommentarevornehmignorie ren.“2ObvieleVerbrechenseinerzeit„epidemisch“gewordenwaren,sei einmaldahingestellt–warumdasausderSichtjenesAutorsaberjeden falls fürschlechteKommentaregalt,undwaseinenKommentar indie semSinne„schlecht“machte,sollu.a.GegenstanddiesesBeitrageswer den. Derzeit gibt es zehn mehr oder weniger aktuelle Kommentare zum Strafgesetzbuch(StGB),allein2009/10sindsechsNeuauflagenundsogar zwei Neuausgaben erschienen (im Entstehen begriffene InternetKom mentarenochgarnichtmitgerechnet),hinzukommenmehroderweni ger regelmäßig Nachlieferungen zu einem LoseblattKommentar und neueTeilbändezueinemsog.Großkommentar.3 1 Überarbeiteter Vortrag aus dem Workshop „Der Kommentar als Medium von Kommunikation über Recht“ amMaxPlanckInstitut für europäische Rechtsge schichte in Frankfurt/M. am 20. Januar 2006, vgl. dazu auch Th. Henne,Die Prägung des Juristen durch die Kommentarliteratur, in: Betrifft JUSTIZ 87 (2006), 352–356. 2 R. Binding,Strafgesetzgebung, Strafjustiz und Strafrechtswissenschaft in normalem Verhältnis zu einander, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 1 (1881),429(22FN29). 3 Dass zudem der Umfang der Kommentare „explodiere“, wurde bereits 1989 kritisiert:F.C.Schroeder,DieLastdesKommentators.ZumstrafrechtlichenPublika tionsweseninderBundesrepublikDeutschland,in:FestschriftfürHerbertTröndle, hgg.vonH.H.Jescheck/T.Vogler,Berlin1989,77–88,hier82. 146HelmutPollähne SeiteinigenJahrenexistierenzudemzweispeziellfürdasStudiumkon zipierteWerke und ein Sammelkommentar für das gesamte Strafrecht. AusRechtswissenschaft und praxis sowie aus der juristischenAusbil dungsindKommentarealsowenigerdennjewegzudenken,unddasgilt sicher nicht nur für das (materielle) Strafrecht. Spätestens in der Refe rendarausbildung stellt sich zudem der Eindruck ein, die Gerichte be nutztennichtnurkeineGesetzestexte, sondernstattdessen liebergleich einen Kommentar, mehr noch: als wären die Kommentare – meistens sindesmittelgroßegrauemitTausendenhauchdünnerSeiten–ihreGe setze.Grundgenugalso,sicheinmalüberEntstehungundFunktiondie ser FachliteraturGattungGedanken zumachen; zudemaber auch sich darüberzuwundern,dasssolchesbisher,jedenfallsinnerhalbderStraf rechtswissenschaften,sogutwienichtstattgefundenhat(s.u.).4 1....

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