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Paris, London und die europäische Provinz

Die frühen Modejournale 1770-1830

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Astrid Ackermann

Die Modejournale des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts versprachen ihrem breiten Publikum die Vermittlung von Lebensstil und Geschmack. Geschmacksbildung tangierte im zeitgenössischen Verständnis den einzelnen wie das Gemeinwesen. Sie war auch von ökonomischer Bedeutung; die Magazine bemühten sich um eine Gewerbeförderung. Sie waren auf die in Paris und London entworfenen Leitbilder ausgerichtet. Gleichwohl propagierten sie einen «nationalen Geschmack». Es zeigt sich, wie weit die nationale Idee verankert war. Gerade an die Leserinnen richteten sich zahlreiche Artikel, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern zum Thema hatten. Einem komparativen Ansatz folgend wurden gemischte Modemagazine aus England, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Italien herangezogen.

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4. Die Geschlechterbeziehungen in der Diskussion

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Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern und die Vorstellungen vom Wesen und der Bestimmung von Mann und Frau wurden in den Journalen vielfach diskutiert. Die breite zeitgenössische Debatte, in der sich das Ge- schlechterverhältnis als legitimationsbedürftig erwies, fand hier ihren Nieder- schlag, wurde mitgestaltet und popularisiert. Die Geschlechterordnung wurde als ein maßgebliches Strukturierungsprinzip der Gesellschaft verstanden. Da- her fand auch der historische Wandel des Verhältnisses zwischen Frau und Mann besonderes Interesse. Die Magazine begriffen das Geschlecht als entscheidendes Kennzeichen der Identität, die sie ihren Lesern offerierten. Ihrer Publikumsorientierung ent- sprechend, waren sie besonders auf die weibliche Geschlechterrolle hin orientiert. Dies ist typisch für die Diskussion im allgemeinen: Den zahlrei- chen Texten zur weiblichen Bildung, Erziehung, Kleidung und Sexualität, gerade denjenigen des 19. Jahrhunderts, fehlten weitgehend die „männlichen" Äquivalente. Dies liegt zum einen darin begründet, daß das Männliche "im Allgemeinen aufging und verschwand". Das Weibliche bedurfte hingegen „als Sonderform" der Erläuterung.960 Andererseits wurden diese Felder selbst - als von persönlichen Beziehungen geprägt — dem weiblichen Wirkungskreis zugerechnet. Die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wird heute nicht zuletzt im Hin- blick auf die Geschlechterbeziehungen als Zeit besonderen Wandels verstan- den. Vor dem Hintergrund der naturrechtlichen Diskussion und der Französi- schen Revolution habe ein neues Verständnis der Gleichheit theoretisch und auch praktisch Platz ergriffen. Für einen „kurzen historischen Moment lang schien es zum Greifen nahe, daß Frau-Sein mehr und anderes beinhalten konnte, als im bürgerlichen Weiblichkeitsentwurf...

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