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Die «unbekannte» Edith Stein: Phänomenologie und Sozialphilosophie

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Edited By Beate Beckmann-Zöller and Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Edith Stein ist durch ihr außergewöhnliches Leben und Sterben (1891 Breslau bis 1942 Auschwitz) bekannt. Ihrem frühen philosophischen Werk als Meisterschülerin von Edmund Husserl wurde bisher allerdings zu wenig Beachtung geschenkt. Die Referate der Tagung Die unbekannte Edith Stein (Salzburg, 7.-9.10.2004) beschäftigten sich vor allem mit ihren Werken aus den 20er Jahren: Psychische Kausalität, Individuum und Gemeinschaft und Eine Untersuchung über den Staat. Dabei gilt das Augenmerk dem geistesgeschichtlichen Kontext der Sozialphilosophie Steins und Vergleichen mit Husserl, Scheler, Heidegger, Guardini und anderen. Zusätzlich zu den Hauptreferaten wurden auch die «Werkstattberichte» junger Forscher aufgenommen. Im Zusammenhang mit Steins Frühwerk wurden anthropologische und pädagogische Fragen thematisiert.

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2. Philosophie und Sozialphilosophie

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Urbano Ferrer Kausalität und Motivation bei Edith Stein An verschiedenen Stellen seines Werkes betont Husserl den Unterschied zwi- schen Kausalität und Motivation, um die erste ihrer Komplexität wegen beiseite zu lassen, die zweite hingegen unter mehreren Blickwinkeln zu berücksichtigen. Bei Edith Stein ist der Ansatz teilweise damit übereinstimmend, teilweise davon abweichend, je nach der ihr eigentümlichen Auffassung von Person. Die Fragen der Motivation sind bei ihr größtenteils Erbe der Husserlschen Überlegungen, denen sie eine ihr eigentümliche Anwendung auf die Person hinzufügt, während die Kausalität, der Entwicklung der Autorin entsprechend, ein angemessenes Korrelat in der sich selbst nicht durchsichtigen Person hat, weil diese äußeren Einflüssen ausgesetzt ist. Obwohl in der Welt der natürlichen Einstellung Ursache und Wirkung ein miteinander verbundenes Begriffspaar bilden, bleibt zwischen ihnen eine Tren- nung bestehen, die weder in der Ursache noch in der Wirkung enthalten ist. Da- her setzt die kausale Wirksamkeit eine primäre, für die Betätigung der Kausalität empfängliche Materie voraus, die mit der bewegenden Ursache in einem einzigen Prozeß zusammenwirkt. Causae sunt ad invicem. Im Gegensatz dazu hängen das Motiv und sein Korrelat innerlich durch das präpositionale ‚von' zusammen, denn das Motiv verlangt eine motivierte Freiheit, und umgekehrt ist die Frei- heitsübung nur in Bezug auf ein Motiv möglich. Im Folgenden prüfen wir verschiedene kausale Einwirkungen, wie die Akti- vität des Lebendigen, den Einsatz der Lebenskraft oder die Bedingtheit der Handlungen...

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