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Botschaften an die Nachwelt

Was Anne Frank und andere Jüdinnen in der Nazidiktatur ihrem Tage- oder Erinnerungsbuch anvertrauten

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Norbert Kluge

Welche Botschaften haben uns die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verfolgten Jüdinnen hinterlassen? Sie wurden entweder in Tagebüchern vor Ort oder später nach der Befreiung in Erinnerungsbüchern als Vermächtnis für die Nachwelt notiert. In den einzelnen Kapiteln steht nicht so sehr der Zusammenhang von Liebe, Körperlichkeit und sexuellem Begehren im Blickpunkt der Ausführungen. Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Darstellung die Gegenseite zwischenmenschlicher und liebender Zuwendung: den kollektiven Hass einer unmenschlich praktizierten Herrschaftsdoktrin an herausragenden Beispielen aufzuzeigen. Folgende Autorinnen wurden für ein erstes Resümee ausgewählt: die Deutsch-Niederländerin Anne Frank, die Französin Hélène Berr, die aus Böhmen stammende Eva Mändl Roubičková, die in Mähren geborene Ruth Elias, die in Bosnien-Herzegowina zur Welt gekommene Hanna Lévy-Hass und die Litauerin Mascha Rolnikaite.

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4. Überlebensberichte junger Frauen nach der Deportation in Konzentrationslager des Naziregimes (1941-1945)

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Wie schon in Aussicht gestellt wurde, informiert nachfolgend jeweils ein Opfer über Zustände, persönliche Beobachtungen und Erlebnisse in einem der zuvor allgemein beschriebenen Konzentrationslager in deutsch-nationalsozialistischer Verantwortung. Am Anfang steht der Bericht von E.Mändl Roubičková über ihren Lageraufenthalt in Theresienstadt. 111 Quelle: U1: Eva Mändl Roubičková: „Langsam gewöhnen wir uns das Ghettoleben". Ein Tagebuch aus Theresienstadt, Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2007 113 4.1 Häftling in Theresienstadt: Eva Mändl Roubičková Lebensdaten Eva Mändl wurde am 16. Juli 1921 in Žatec (dt. Saaz), das in Nordböhmen liegt und damals zum Sudetenland gehörte, geboren. Sie wuchs in einer jüdischen Familie deutschsprachig auf. Ihr Vater unterrichtete Griechisch und Latein am örtlichen Gymnasium. Als Ende der 1930er Jahre der Hass der Mitbürger und Mitbürgerinnen auf die Juden immer stärker wurde, entschlossen sich die Mändls, ihren Heimatort zu verlassen, um in Prag, einer Großstadt, den antisemi- tischen Angriffen der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie nicht stän- dig ausgesetzt zu sein. Als Ende 1941 die ersten Prager Jüdinnen und Juden, vor allem nach Polen, deportiert wurden, wurden Eva und ihre Mutter am 17. Dezember 1941 ins soge- nannte Ghetto Theresienstadt gebracht. Vorher war ein Versuch der jungen Tschechin aus Altersgründen gescheitert, nach London zu emigrieren, um dort mit ihrem Freund Richard Roubičková ein Leben ohne politisch bedingte Einschrän- kungen zu beginnen. Von dem über mehr als dreijährigen entsagungsreichen Lager- leben in Theresienstadt handelt das Tagebuch,...

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