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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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BRAVE GESCHICHTSSCHREIBUNG

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Revolution und Vereinigung. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte. Hgg. von Klaus-Dietmar Henke. DTV: München 2009, 734 Seiten (Rezension) Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite politisch korrekt im offiziösen Sinne. Das heißt, es gründet sich – mehr oder weniger, gewiß! – in allen seinen Beiträgen auf die inzwischen durchgesetzte Staatsdoktrin eines erneuerten Antikommunismus, zeitgemäß modernisiert und natio- nalisiert als Feindbild DDR. Dem steht eine unbefleckt freiheitlich-demo- kratische und sozialstaatliche Bundesrepublik Deutschland gegenüber. Sie ist, auch wenn das nirgendwo in einem generalisierenden direkten Ver- gleich ausgemalt wird, das im Hintergrund immer anwesende Kontrast- programm. Eine naive, unkritische Lektüre dieses Buches würde ergeben: Alles, was in der DDR zwischen Oktober 1989 und Oktober 1990 geschah, mußte sich genau darauf zu bewegen – andere Erwartungen, etwa die Hoffnungen auf eine demokratische, dabei sogar sozialistische DDR oder auf mehr Basisdemokratie oder auch „nur“ eine wirklich neue, gesamt- deutsche Verfassung, waren naive Illusionen, nicht mehr. Eine solche Un- ausweichlichkeit des Geschehens mag aus heutiger Sicht leicht darstellbar sein; doch jede geschichtliche Situation enthält im Moment ihrer Gegen- wärtigkeit auch Alternativen. Nirgendwo finde ich auf den 734 Seiten die Möglichkeit einer geschichtlichen Alternative ernsthaft genug geprüft; die Bedingungen, die sie ermöglicht hätten, werden nicht erörtert. So wird fast unter der Hand die kapitalistische Bundesrepublik zwar nicht zur besten aller denkbaren Welten, doch aber zur besten aller damals wie heutzutage möglichen. Zumal auch die...

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