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Preisgekrönte

Zwölf Autoren und Autorinnen von Paul Heyse bis Herta Müller- Ausgewählte Werke, sprachkritisch untersucht

Wolfgang Beutin

Karl Kraus entwickelte 1930 die Idee, das Œuvre eines zeitgenössischen deutschen Literaturnobelpreisträgers sprachkritisch zu untersuchen und zu fragen, ob es die Auszeichnung rechtfertige. Sprachkritik hieß in seiner Sicht nicht in erster Linie Feststellung von Verstößen gegen die Grammatik und Stilistik (dies nur dann, falls die Ehrung ausdrücklich mit der sprachlichen Meisterschaft eines Autors begründet wurde), sondern fungiert im weiteren Sinne als Stilkritik unter Einschluß der Kritik des Denkstils, die weiter zur Einschätzung der Denkweise führt (Ideologiekritik). In diesem Buch wird die Idee von Kraus ausweitend aufgenommen und auf ausgewählte Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts angewendet. Sieben von ihnen erhielten den Literaturnobelpreis, und auch die fünf anderen Autoren gehören zu den meist ausgezeichneten mit teilweise Dutzenden von Literaturpreisen.

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Elfriede Jelinek (geb. 1946): In ihren Zellenbluten die Hausfrauen

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Elfriede Jelinek (geb. 1946): In ihren Zellen bluten die Hausfrauen Zuckend kracht sein Schwanz in ihre Büsche … so beschreibt Elfriede Jelinek eine sexuelle Attacke Hermanns, der in ihrem Buch „Lust“ 1, das als „ihr wohl provokativster und meistdiskutierter Roman“ bezeichnet worden ist2, gewöhnlich „der Direktor“ heißt. Ins Verbum „krachen“ scheint die Dichterin sich vergafft zu haben, er- scheint es doch im Text immer aufs neue: Dann fällt er wieder krachend in ihr Loch hinein. (245) Offensichtlich drängt sich ihr dies Wort überall auf, wo ein sexueller Vorgang zu schildern ist: Er greift krachend vorn in ihren Mantel und ins Kleid … (205) – Von seinem Mund krachen die Küsse. (214) (Selbst mit abstrakten, immateriellen Vorgängen setzt sie das „Krachen“ in Verbindung – wiederum ist die Rede vom Liebesspiel –:) Und jetzt kitzeln wir die Dunkelheit, bis sie krachend über uns zusammen- bricht. (196) Zur Abwechslung ohne sofortigen Bezug auf Erotisches: Serviererinnen placie- ren Tabletts voller Speisen mit aller Vorsicht? Nein, da geht es schwungvoll zu: Die Aufschnittplatten krachen auf die Tische … (222) Eingedenk der Mahnung, die im Deutschunterricht der Schule gelehrt wird: zu variieren, bemüht sie sich manchmal um Ersatz fürs „Krachen“: … gleich wird er ihr knallend wie ein Gewehrschuß ins Bett folgen. (252) Neben der figürlichen Bedeutung des Knallens kennt die Autorin die eigentli- che: Dafür bekommt diese Frau jeden Monat bar das Leben auf den Tisch geknallt für ih- ren Alltagsherd. (32; „das Leben“ = ‚das Geld’. Ist es jedoch denkbar,...

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