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Gottesreich und antike Arbeitswelten

Sozialgeschichtliche Auslegung neutestamentlicher Gleichnisse

Sigrid Lampe-Densky

Seit sich sozialgeschichtliche Bibelauslegung in den 1970er Jahren herausgebildet hat, liegt ihr Erkenntnisinteresse und ihre spezifische Leistung in der Verortung der Texte in der antiken Lebens- und Arbeitswelt mit ihrer Lebens- und Leiderfahrung, ihren Ängsten und Hoffnungen. In den Spuren von Elisabeth Schüssler Fiorenza und Luise Schottroff differenziert die Autorin diese Methode aus, bezieht sie auf eine Auswahl neutestamentlicher Gleichnistexte und stellt die Fruchtbarkeit des methodischen Ansatzes unter Beweis. Die Autorin sieht sich drei Diskursen verpflichtet: der befreiungstheologischen und feministischen Hermeneutik sowie einer Theologie nach Auschwitz, die im Dialog mit dem Judentum Gestalt annehmen soll. Die untersuchten Gleichnisse decken ein breites Spektrum antiker Arbeitsverhältnisse ab. Eine Fülle von sozialgeschichtlich relevantem Quellenmaterial wird ausgewertet und verarbeitet, und es wird die religionspädagogische Bedeutung sozialgeschichtlicher Auslegung herausgearbeitet. Das Werk enthält ein über 100-seitiges Verzeichnis antiker wie zeitgenössischer Quellen und Literatur, das den derzeit wohl breitesten Fundus zum Themenbereich darstellt.

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II. Gleichnisauslegungen

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1. Schöpfungsgleichnisse: Produktion von Grundnahrungsmitteln 1.1 Das Gleichnis vom Wachsen der Saat (Mk 4, 26 – 29) 1.1.1 Übersetzung und erste Beobachtungen zum Text Mk 4, 26 – 29 Vers 26: Und er sagte1: So ist2 das Reich Gottes: wie3 ein Mensch4 den Samen auf die Erde wirft5 Vers 27: und schläft und aufsteht, Nacht und Tag6, und7 der Same sprießt8 und wird lang, wie, weiß er selbst nicht.9 1 Diese Einleitungsformel kommt bei Markus nur dreimal vor, sie grenzt den Text ab, in V. 30 findet sich dieselbe Formel (Banschbach Eggen, Gleichnis, 222). Jeremias hält sie für vor- markinisch (Jeremias, Gleichnisse, 10). 2 Jülicher sieht in οὕτως ἐστὶν die gleiche Bedeutung wie in ὁµοία ἐστὶν oder ὡµοιώθη (Jülicher II, 539), Jeremias hält es für eine Gräzisierung (Jeremias, Gleichnisse, 100 Anm. 5). 3 Im Griechischen entspricht ὡς der Kurzform des Dativanfangs, die auf einen aramäischen Ur- sprung zurückgeht (Jeremias, Gleichnisse, 100f.). Die folgenden Konjunktive zeigen, dass nach dem ὡς noch ein ἐάν ergänzt werden müsste (Jülicher II, 539); vgl. Theißen, Gerd, Der Bauer und die von selbst Frucht bringende Erde. Naiver Synergismus in Mk 4, 26-29?, in: ZNW 85, 1994, 167 – 182, hier: 179. Der Dativ zeigt keinen Besitz an wie der Genetiv, und er bezeichnet kein direktes Objekt wie der Akkusativ. Er ist der Kasus, der mit dem Nominativ, dem Subjekt noch am ehesten auf Augenhöhe steht (siehe auch Mt 13, 45f.). 4 Der ἄνθρωπος / „Mensch“ ist nicht näher charakterisiert. Zur...

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