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Freispruch in Nürnberg

Der Weg zum freisprechenden Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg im Fall Hans Fritzsche

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Beatrice Schäfers

Das von den Siegermächten nach dem zweiten Weltkrieg errichtete Internationale Militärtribunal von Nürnberg hat 3 der insgesamt 22 angeklagten, sogenannten deutschen Hauptkriegsverbrecher von ihrer Schuld gänzlich freigesprochen. Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung eines dieser drei Freisprüche, und zwar desjenigen des wichtigsten deutschen Rundfunkkommentators des Zweiten Weltkrieges, Hans Fritzsche. Was waren die Hintergründe und Motive für diesen Freispruch? War er das Ergebnis einer erfolgreichen Verteidigungsstrategie? Auf der Suche nach Antworten wird der Hauptkriegsverbrecherprozess sowohl in verfahrens- als auch in materiell-rechtlicher Hinsicht einer Analyse unterzogen. Insbesondere die viel umstrittene und bislang wissenschaftlich wenig beachtete Verschwörungsanklage und ihre richterliche Beurteilung erfährt dabei eine intensive Begutachtung. Die wesentlichen Forschungsgrundlagen der Arbeit sind die amtlichen Protokolle des Nürnberger Prozesses in deutscher Fassung sowie die Mitschriften über die in London von den Alliierten geführten Verhandlungen und die in diesem Zusammenhang erstellten vorbereitenden Gesetzentwürfe.

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Einleitung

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„Zu Beginn des Prozesses hielt kein einziger Richter für möglich, dass Freisprüche erfolgen könnten, vielmehr haben wohl alle geglaubt, das vorgelegte Beweismaterial würde alle 22 Ange- klagten überzeugend belasten.“ (Smith, Jahrhundertprozess, S. 291) Es sind nicht die etwa gegen Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Wil- helm Keitel und Ernst Kaltenbrunner verhängten Todesstrafen, die das Urteil des Internationalen Militärgerichtshofes von Nürnberg so überraschend erscheinen lassen. Es sind auch nicht die gegen Rudolf Heß, Walter Funk, Karl Dönitz und Erich Raeder auferlegten Gefängnisstrafen. Ungeahnt und ver blüffend an dem erstmalig auf dem Gebiet des Völkerstrafrechts ergan genen Richterspruch ist die Tatsache, dass drei der 22 angeklagten, soge nannten Hauptkriegsverbrecher von ihrer Schuld gänzlich freigespro chen wurden. Wohl niemand hatte damit gerech- net, dass das von den Siegern des Zweiten Weltkrieges errichtete Tribunal einen Angeklagten von einer Strafe gänzlich verschonen würde. Im Gegenteil – nach Verkündung der richterlichen Entscheidung versammelte sich vor dem Nürn- berger Justizpalast eine gegen die Freisprüche von Hjalmar Schacht, Franz von Papen und Hans Fritzsche protestierende Menge, so dass diese es vorzogen, frei- willig im Gefängnis zu bleiben und es für die nächsten Tage als sicheren Ort zu nutzen1. I) Zielsetzung der Arbeit Die vorliegende Abhandlung untersucht exemplarisch einen dieser drei Freisprü- che und zwar denjenigen des wichtigsten deutschen Rundfunkkommentators des Zweiten Weltkrieges2 Hans Fritzsche. Dieser bekleidete während des gesamten Nazi-Regimes von 1933 bis 1945 als...

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