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Freispruch in Nürnberg

Der Weg zum freisprechenden Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg im Fall Hans Fritzsche

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Beatrice Schäfers

Das von den Siegermächten nach dem zweiten Weltkrieg errichtete Internationale Militärtribunal von Nürnberg hat 3 der insgesamt 22 angeklagten, sogenannten deutschen Hauptkriegsverbrecher von ihrer Schuld gänzlich freigesprochen. Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung eines dieser drei Freisprüche, und zwar desjenigen des wichtigsten deutschen Rundfunkkommentators des Zweiten Weltkrieges, Hans Fritzsche. Was waren die Hintergründe und Motive für diesen Freispruch? War er das Ergebnis einer erfolgreichen Verteidigungsstrategie? Auf der Suche nach Antworten wird der Hauptkriegsverbrecherprozess sowohl in verfahrens- als auch in materiell-rechtlicher Hinsicht einer Analyse unterzogen. Insbesondere die viel umstrittene und bislang wissenschaftlich wenig beachtete Verschwörungsanklage und ihre richterliche Beurteilung erfährt dabei eine intensive Begutachtung. Die wesentlichen Forschungsgrundlagen der Arbeit sind die amtlichen Protokolle des Nürnberger Prozesses in deutscher Fassung sowie die Mitschriften über die in London von den Alliierten geführten Verhandlungen und die in diesem Zusammenhang erstellten vorbereitenden Gesetzentwürfe.

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Nach dem Freispruch

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Die Urteile gegen Schacht, Fritzsche und von Papen bedeuteten für diese keines- falls ein Leben auf freiem Fuß. Sie provozierten heftige Gegenreaktionen in der deutschen Öffentlichkeit und nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wurde gegen alle drei ein Entnazifizierungsverfahren vor der Nürnberger Spruchkammer ein- geleitet875. Im Fall Fritzsche beantragte die Anklage, ihn gemäß Art. 5 Nr. 6 des Geset- zes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 (im Folgenden: Befreiungsgesetz) als Hauptschuldigen im Sinne dieses Geset- zes zu verurteilen. Dabei sollten seine Tätigkeit vor 1933, seine organisatori- schen Aufgaben im RMVP, seine Lenkung der Presse wider besseres Wissen und seine Rundfunkkommentare dessen „außerordentliche propagandistische Unterstützung“ des NS-Regimes belegen, deren Nachweis für die Einstufung als Hauptschuldiger notwendig war876. Die für den Spruch erheblichen Entlas- tungsmomente wurden in Art. 39 (2) des Befreiungsgesetzes abschließend auf- geführt. Fritzsche konnte sich dabei nur auf den Punkt der „Unterstützung von Opfern des Nationalsozialismus“ berufen877. Im Übrigen präsentierter er sich wie vor dem IMT als gutgläubiges Werkzeug des Hitler-Regimes878. Die Spruchkam- mer äußerte in ihrem Urteil die Überzeugung, dass seine Darstellung in eigener Sache unglaubwürdig sei und ordnete ihn als Hauptschuldigen ein. Er wurde zu neun Jahren Arbeitslager verurteilt und ihm wurde für zehn Jahre verboten, frei- beruflich oder gewerblich tätig zu sein879. Sowohl Fritz als auch der Ankläger legten gegen dieses Urteil Berufung ein880. Auch die Berufungskammer stufte Fritzsche als Hauptschuldigen ein. Aufgrund des offizi...

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