Show Less

Das Verhältnis von Familiengericht und Jugendamt

Kooperation zum Wohle des Kindes?

Series:

Anja Sommer

Obwohl die Zusammenarbeit zwischen Familiengericht und Jugendamt auf eine sehr lange Tradition zurückblickt, kommt es bis heute immer wieder zu Fehlabstimmungen und Konflikten, die nicht selten zu Kindeswohlgefährdungen führen. Ausgerechnet im hochsensiblen Bereich des Kindschaftsrechts überlässt der Gesetzgeber den oftmals schwierigen Abstimmungsbedarf zwischen Familien- und Sozialrecht, zwischen Familiengericht und Jugendamt nur allzu gern der Praxis und entzieht sich einer abschließenden, adäquaten und durchdachten Regelung. Immer wieder wird hier deutlich, dass sowohl der Rechtssuchende als auch die professionellen Akteure kaum in der Lage sind, dieses Dilemma zu bewältigen. Die Arbeit trägt zur Klärung der Problematik bei und arbeitet heraus, ob und wie diese Institutionen in kindschaftsrechtlichen Verfahren den Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleisten und umsetzen. Die Verfasserin legt dar, dass de lege lata eine Lücke im Kindesschutz klafft und zeigt Möglichkeiten auf, welche Schritte de lege ferenda nötig sind, um diese Lücke zu schließen. Die Untersuchung richtet sich insofern an alle dem Kindesschutz verpflichteten Institutionen und Personen, die bereit und fähig sind, dieses schwierige Thema ohne Scheuklappen anzugehen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Teil: Die Akteure und deren Rechtsgrundlagen

Extract

11 1. Teil: Die Akteure und deren Rechtsgrund- lagen A. Rechtsgrundlagen Ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung des Verhältnisses von Familiengericht und Kinder- und Jugendhilfe ist die gesetzliche Einbettung dieser Institutionen im Rechtssystem. Im Bereich des Kindesschutzes regeln verschiedene Gesetze aus den unterschiedlichsten Bereichen des Rechts kindschaftsrechtliche Belange. Familiengerichtliche und sozialrechtliche Befugnisse sind dabei in unterschied- lichen Gesetzen mit jeweils eigenständigen Befugnissen geregelt. Nicht zuletzt dieses Nebeneinander verschiedener Kompetenzen, die unverbunden nebenein- ander stehen, führt zu Problemen im Verhältnis von Familiengericht und Ju- gendamt.22 Es kommt aber auch zu Verflechtungen der unterschiedlichen Geset- ze. Besonders deutlich werden diese im Verhältnis SGB VIII zum 4. Buch BGB- Familienrecht. Hier finden sich wechselseitige Bezugnahmen, Überschneidun- gen und Ergänzungen.23 Abbildung 1: Kindesschutz im gesetzlichen Spannungsfeld Zivilrecht Öffentliches Recht Strafrecht Verfassungsrecht Verfahrensrecht Materielles Recht Quelle: angelehnt an Wabnitz, ZfJ 2000, 336 (337) 22 Auf dieses Strukturdefizit wird weiter unten noch eingegangen, siehe 3. Teil, Kap. B. I. 2. 23 z.B.: §§ 17, 18, 27 ff., 8a, 42, 50, 51, 52a, 53-60 SGB VIII, §§ 1666, 1684 Abs. 4, 1712-1717, 1751 Abs. 1, 1773 ff. 1791b, 1791c, 1851, 1887, 1921 BGB; § 162 FamFG BGB SGB VIII Landes- recht JGG StGB FamFG SGB VIII SGB I SGB X StPO JGG GG (Art. 6) 12 Die Akteure und deren Rechtsgrundlagen I. Gesetzgebungskompetenz des Bundes Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes für den Bereich der Kinder- und Ju- gendhilfe ergibt sich aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG. Danach erstreckt sich die konkurrierende Gesetzgebung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.