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Das Verhältnis von Familiengericht und Jugendamt

Kooperation zum Wohle des Kindes?

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Anja Sommer

Obwohl die Zusammenarbeit zwischen Familiengericht und Jugendamt auf eine sehr lange Tradition zurückblickt, kommt es bis heute immer wieder zu Fehlabstimmungen und Konflikten, die nicht selten zu Kindeswohlgefährdungen führen. Ausgerechnet im hochsensiblen Bereich des Kindschaftsrechts überlässt der Gesetzgeber den oftmals schwierigen Abstimmungsbedarf zwischen Familien- und Sozialrecht, zwischen Familiengericht und Jugendamt nur allzu gern der Praxis und entzieht sich einer abschließenden, adäquaten und durchdachten Regelung. Immer wieder wird hier deutlich, dass sowohl der Rechtssuchende als auch die professionellen Akteure kaum in der Lage sind, dieses Dilemma zu bewältigen. Die Arbeit trägt zur Klärung der Problematik bei und arbeitet heraus, ob und wie diese Institutionen in kindschaftsrechtlichen Verfahren den Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleisten und umsetzen. Die Verfasserin legt dar, dass de lege lata eine Lücke im Kindesschutz klafft und zeigt Möglichkeiten auf, welche Schritte de lege ferenda nötig sind, um diese Lücke zu schließen. Die Untersuchung richtet sich insofern an alle dem Kindesschutz verpflichteten Institutionen und Personen, die bereit und fähig sind, dieses schwierige Thema ohne Scheuklappen anzugehen.

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2. Teil: Interdependenzen zwischen Familiengericht und Jugendamt

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27 2. Teil: Interdependenzen zwischen Familienge- richt und Jugendamt A. Das Verhältnis von (Familien-) Gericht und Jugendamt im historischen Wandel Um das bestehende Verhältnis von Jugendamt und Familiengericht und deren gemeinsame Verantwortung für die Sicherung des Kindeswohls nachvollziehen zu können und zu verstehen, bedarf es eines Überblicks über die historische Entwicklung, die ihren vorläufigen Abschluss in dem am 4. Juli 2008 in Kraft getretenen Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Ge- fährdung des Kindeswohls83 und dem am 1. September 2009 in Kraft getretenen FamFG84 gefunden hat. Familiengerichtsbarkeit und Jugendamt sind und waren seit jeher darauf angewiesen zu kooperieren und gemeinsam Lösungen für hilfe- bedürftige Kinder- und Jugendliche sowie deren Eltern zu finden. Diese Zu- sammenarbeit blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich aber nicht nur das Verständnis staatlicher Mitverantwortung für die Er- ziehung von Kindern verändert, sondern auch das interne Verhältnis zwischen Familiengericht85 und Jugendamt und damit die Art und Weise ihrer Kooperati- on.86 Die Veränderungen werden anhand der einzelnen Etappen der Gesetzge- bung deutlich. 83 BGBl I, S. 1188 84 Artikel 1 des Gesetzes zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und in den Ange- legenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG-Reformgesetz) v. 17. Dezember 2008 BGBl. I, S. 2586 ff. 85 Bis zum 1.7.1998 Vormundschaftsgericht. 86 Wiesner in: dijuf.de, Tagungsdokumentation, S. 30 (31) = Wiesner, ZfJ 2003, 121 (123); sehr schön und plastisch dargestellt bei: Oberloskamp, FamRZ 1992, 1241. 28...

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