Show Less

Seesturm im Mittelalter

Ein literarisches Motiv im Spannungsfeld zwischen Topik, Erfahrungswissen und Naturkunde

Series:

Carola Fern

Schilderungen von stürmischem Meer sind in der Literatur des Mittelalters weit verbreitet, bislang aber von der Forschung stark vernachlässigt worden. Diese Arbeit erschließt der Mediävistik ein neues Motiv und mit diesem einen neuen Blickwinkel auf die Forschung zur Naturwahrnehmung im Mittelalter. Das geschieht durch einen kommentierten Katalog literarischer Seesturmschilderungen und durch Analysen einer Stichprobenauswahl aus dem 9. bis zum 16. Jahrhundert. Alle Seesturmschilderungen werden im Hinblick auf die Topik des Motives, auf die Verarbeitung naturphilosophischer und technischer Entwicklungen der jeweiligen Entstehungszeit, auf den Realitätsgehalt der Schilderung und die Funktion des Motivs für die Gesamtkomposition und Deutung des jeweiligen Werkes hin untersucht. Der interdisziplinäre Ansatz kommt zu neuen Ergebnissen, die die bisherige Sicht auf Naturwahrnehmung im Mittelalter modifiziert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

„Es gibt noch eine andere Welt zu entdecken – und mehr als eine! Auf die Schiffe ihr Philosophen!“ Diesen Satz von Friedrich Nietzsche möchte man auch den heuti- gen Germanisten zurufen, so wie Martin Faas und Felix Krämer dies in ihrer Einlei- tung zu dem ersten Ausstellungskatalog „Seestücke“ mit den Kunsthistorikern tun.1 Warum? Das soll am Beispiel des literarischen Motivs2 des Seesturms gezeigt werden. Das Seesturmmotiv durchzieht die gesamte Weltliteratur von Beginn an bis heute, von der biblischen Sintflut über Homers „Odyssee“ und Vergils „Aeneis“, den orien- talischen Erzählungen um Sindbad den Seefahrer bis Melvilles „Moby Dick“ und Umberto Ecos „Die Insel des vorigen Tages“, um nur einige zu nennen.3 Die Begeg- nung des Menschen mit dem Meer gehört zu den elementaren Erlebnissen der Menschheit. Auch in der deutschsprachigen Literatur finden sich die Motive von Meer und Sturm seit ihren Anfängen. Man denke nur an Werke wie den althochdeut- schen „Heliand“, den „Tristan“ Gottfried von Straßburgs, Sebastian Brants „Narren- schiff“, die Gedichte von Goethe und Schiller wie „Ein König in Thule“ und „Der Taucher“, Heinrich Heines „Nordseezyklus“, Theodor Storms „Schimmelreiter“, Thomas Manns „Buddenbrooks“ und Sten Nadolnys „Die Entdeckung der Lang- samkeit“. Trotz dieser weiten Verbreitung ist aber den Motiven Meer und Seesturm in der germanistischen Forschung bisher kaum Beachtung geschenkt worden (vgl. Kap. II. 1.). Dabei bietet eine Erforschung dieser Motive gerade auch der mediävis- tischen Germanistik vielfältige Erkenntnismöglichkeiten. Es lassen sich an ihnen z.B. literarische Entwicklungslinien verfolgen. Gerade das...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.