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Der Begriff des Originals im Urheberrecht

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Andrea Schlütter

Das Urheberrechtsgesetz macht das Bestehen verschiedener Ansprüche vom Vorliegen eines Originals abhängig, definiert den Begriff aber nicht. Gerade das Folgerecht, das für Künstler eine wichtige Einnahmequelle ist, setzt ein Original voraus. Die Arbeit untersucht die Konzeption des Originalbegriffs, bisherige Definitionsvorschläge sowie die einschlägige Rechtsprechung. Auch weitere Rechtsbereiche sowie die Gegebenheiten auf dem Kunstmarkt werden herangezogen, um den Begriff näher zu definieren. Im Hauptkapitel werden verschiedene Bereiche der bildenden Kunst näher betrachtet, so dass die Definition des Originals immer klarere Konturen gewinnt. Hierzu gehören Auflagenwerke wie Drucke, Skulpturen und Fotos, aber auch digitale Kunst, restaurierte Werke und Gemeinschaftswerke. Ein besonderer Fokus liegt auf modernen Kunstformen. Am Ende steht ein Definitionsvorschlag, der diesen Problembereichen gerecht wird.

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Einleitung

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A. Einführung in die Thematik Der Begriff des Originals1 war schon einmal ein „Modethema“2. In den 1970er und 80er Jahren flankierte der Begriff den boomenden Grafikmarkt, der hohe Auflagen, „Original-Reproduktionen“ und ähnliche Phänomene zur Folge hatte, die Kunst für alle Konsumenten erschwinglich machen sollten3, aber auch die Frage aufwarfen, welche Werke noch wirklich vom Künstler selbst geschaffen wurden, was in diesem Zusammenhang ein „Original“ eigentlich ist. Das urhe- berrechtliche Schrifttum flankierte diese Diskussion durch eine vermehrte Be- schäftigung mit diesem Thema4. Auch die Einführung und Verschärfung des Folgerechts, das an den Terminus des Originals anknüpft, intensivierte die De- batte um den Begriff. Seitdem ist es ruhig geworden um diese Fragestellung. Die gängigen Kom- mentare und Lehrbücher wiederholen meist die aus dieser Zeit stammenden De- finitionen. Dabei besteht genügend Bedarf, wieder über den Originalbegriff nachzudenken: Die Digitalisierung des Alltags, aber auch der Kunst, stellt an diesen Begriff ganz neue Fragen, denn auf verkörperte Urfassungen kann in der Computer- und Videokunst mittlerweile verzichtet werden. Seit der letzten Än- derung des § 26 UrhG5 umfasst der Begriff auch Fotografien, für diese lange nur gering geschätzte Kunstgattung wird die Frage nach dem Original nun also auch relevant. Die Diskussion um posthume Güsse von Skulpturen bekannter Künst- ler der klassischen Moderne, neuere Kunstformen wie Happenings und Perfor- mances, aber auch Kunstrichtungen wie die Appropriation Art, die genau das 1 In Literatur und Rechtsprechung ist meist vom „Originalbegriff“ die Rede,...

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