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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Jungsein ist gut, Unreifsein ist besser. Avantgardistische Funktionalisierung der Jugend und Witold Gombrowiczs Apotheose der Unreife. Kalina Kupczyńska (Łódź)

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107 Jungsein ist gut, Unreifsein ist besser. Avantgardistische Funktionalisierung der Jugend und Witold Gombrowiczs Apotheose der Unreife Kalina Kupczyńska (Łódź) Dass Avantgarde von der Jugend geführt und befeuert wurde, ist ein Gemein- platz von der irritierenden Sorte, da er etwas als selbstverständlich betrachten lässt, was vielleicht gar nicht selbstverständlich ist. Um diese Selbstverständ- lichkeit zu hinterfragen, lohnt erst mal ein kurzer Blick auf den Zusammenhang zwischen der Entstehung avantgardistischer Gruppierungen und dem jeweils herrschenden Jugenddiskurs. Folgende Fragen sind dabei für meinen Beitrag von Relevanz: Inwieweit wird ‚Jungsein’ gezielt als Element der Autokreation der Avantgarde eingesetzt? Kann man das von Gombrowicz postulierte Unreife- Konzept als eine Ablösung und zugleich eine produktive Funktionalisierung des Jugend-Mythos betrachten? Und wenn ja – ließe sich das Unreife-Konzept als ein Paradigma der Demontage der Kultur denken, wie sie etwa von der Wiener Gruppe forciert wurde? Die Entwicklung des Diskurses über die Jugend im Lauf des letzten Jahr- hunderts lässt dessen Ambiguität je nach historischen und gesellschaftlichen Kontext deutlich werden. Bekannt ist etwa die Mythisierung der Jugend in Deutschland um 1900, Produkt der „von sozialen Umbrüchen und kulturellen Krisen erschütterten Gesellschaft“ des Wilhelminischen Kaiserreiches, welche „auf die junge Generation den Anspruch projizierte, Jugend an sich sei der Inbe- griff von Zukunft, der Aufbruch zu neuen Ufern, die Überwindung des kranken und überalterten Systems“.1 Ein so formulierter Jugendmythos fand seinen Aus- druck in zahlreichen reformpädagogischen und lebensreformatorischen Konzep- ten, die Anfang des 20. Jahrhunderts...

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