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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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„Pädagogischer Eros“. Liebe und Generationsunterschied in Peter Henischs Die schwangere Madonna. Monika Szczepaniak (Bydgoszcz)

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199 „Pädagogischer Eros“. Liebe und Generationsunterschied in Peter Henischs Die schwangere Madonna Monika Szczepaniak (Bydgoszcz) „Peinlich“ oder „zeitgemäß“? In der Novelle von Johannes Scherr Werther-Graubart aus dem Jahr 1907 wird über eine sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen einem älteren General und einem achtzehnjährigen Mädchen erzählt. Sie repräsentieren zwei verschie- dene Generationen. Er – fast schon ein Greis, sie – fast noch ein Kind: Wie sie so standen im vollen Mittagssonnenlicht, der graubärtige, dem Greisenalter nahe Mann und das in voller Jugendfrische blühende Mädchen, und ihre Augen sich sagten, daß über die zwischen ihnen klaffende schwarze Kluft des Altersunter- schieds ein allmächtig Gefühl die Verbindungsbrücke geschlagen habe oder doch schlagen könnte […].1 Und es fällt auf sie „wie ein Wetterstrahl“ – die Liebe, das himmlische Feuer, stark wie der Tod… Im Familien- und Bekanntenkreis entbrennt eine Diskussion über die Frage, ob November und Mai zusammenpassen können. Man beruft sich auf psychologische Gründe, auf die „Philosophie der Liebe eines achtzehn- jährigen Mädchens“, das sich bald „ein anderes Spielzeug wünscht“2, auf die gute Position und Berühmtheit des Generals einerseits, um den Mann von der Heirat abzubringen, auf sein Recht auf das Glück und die Kompromisslosigkeit reiner Liebe andererseits, um ihn dazu zu bewegen. Für die junge Frau wird der graue Bart des Mannes keinesfalls zum remedium amoris. Er dagegen versucht, den Zauber zu lösen und sich von der Frau zu trennen: „Ich war kalt,...

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