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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Auf halber Strecke – Zum (weiblichen) Aufbegehren gegen das Alter in Prosatexten der österreichischen Gegenwartsliteratur. Joanna Drynda (Poznań)

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243 Auf halber Strecke – Zum (weiblichen) Aufbegehren gegen das Alter in Prosatexten der österreichischen Gegenwartsliteratur Joanna Drynda (Poznań) Wer ist eine alte Frau? Eine, die alt genannt wird und nicht widerspricht.1 (Maimonides) 1. Bin ich eine alte Schachtel? Bin ich eine alte Schachtel? Wenn ich mich von außen betrachte? Sie fragte sich: Wie wirke ich dann? – Oft fühlte sie sich jünger, als sie war, und sie verspürte im- mer ein wenig Angst, dass es dafür nur einen einzigen Grund gab, nämlich den, dass sie ihr wahres Alter nicht akzeptierte. […] Irgendwann werde ich lernen müssen, nicht mehr sichtbar zu sein. Das dachte sie. Und sie dachte: Leider hat dieser Prozess schon begonnen.2 Die Titelfigur aus Arno Geigers Roman Alles über Sally (2010) ist weit davon entfernt, im Selbstgespräch vor dem Spiegel selbstgenügsam in das Altern ein- zuwilligen, vielmehr konzentriert sie sich darauf, ein prekäres Gleichgewicht herzustellen zwischen den beiläufigen, unverblümten Kommunikaten von Au- ßen und der eigenen Selbstwahrnehmung. Zu abenteuerhungrig ist sie, zu fest mitten im Leben verankert, als dass sie auf die alte Prüffrage des jüdischen Phi- losophen Moses ben Maimon (Maimonides) (1135-1204) anders reagieren könn- te als mit einem resoluten Widerspruch. Dennoch ist ihre Befindlichkeit von Ambivalenz geprägt und oszilliert zwischen dem Aufbäumen gegen das Erfah- rene und der empfundenen Notwendigkeit, sich mit dem Alterungsprozess abzu- finden. Dieser verlief immer schon individuell unterschiedlich und steuerte auf einen facettenreichen Lebensabschnitt hin. Obwohl die...

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