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Jüdische Nachbarschaften in New York

Eine Lektüre der lesbaren Spuren der «jüdischen Frage deutscher Art» in Uwe Johnsons "Jahrestage</I>

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Stefan Gädtke

«Es flaniert, das Kind.» Es ist diese randständige Aussage Mrs. Ferwalters, der gezeichneten Überlebenden der Shoah, die sie verschwörerisch lächelnd ihrer Nachbarin, der scham- und schuldbewussten Deutschen Gesine Cresspahl zuflüstert, in der Uwe Johnson eine Utopie eines noch möglichen deutsch-jüdischen Dialogs versteckt. Es ist diese Aussage, es ist das Flanieren, das eine nachlesbare Spur legt zu einer Antwort auf die «jüdische Frage deutscher Art». Genau dieser lesbaren Spur geht die Lektüre der Jahrestage nach und entdeckt den Schriftsteller Johnson als einen Flanierenden: Uwe Johnson ist ein Flaneur, der die Kunst des Spazierens von seiner jüdischen Nachbarin Hannah Arendt in New York gelernt hat.

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3. Topographische Denkbilder des Flanierens

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In New York habe ich mich wohlgefühlt. [...]. Ich liebe New York. New York hat mich als Experiment einer Stadt fasziniert, so etwas gibt es sonst einfach nicht. Ich meine damit die ge- samten Mechanismen, die gesellschaftlichen wie die technischen. Ich war zum Beispiel beein- druckt, mit welchem Aufgebot an Maschinen man mit einem heftigen Schneefall fertig wurde. Von einem Zwischenbesuch in Deutschland kam ich nach New York wie nach Hause zurück. Ich fand die Stadt bis zum letzten Tag interessant. Uwe Johnson im Gespräch 1969 Sich in einer Stadt nicht zurechtzufinden, heißt nicht viel. In einer Stadt sich aber zu verirren wie man in einem Walde sich verirrt, braucht Schulung. Die Kunst habe ich spät erlernt; sie hat den Traum erfüllt, von dem die ersten Spuren Labyrinthe auf den Löschblättern meiner Hefte waren. Walter Benjamin: Berliner Kindheit 3.1. Denkbild476: 96. Street Station Der Verdächtige Als ob Uwe Johnson der Philosophie Franz Hessels folgt, die man sich aber gerade nicht als eine epistemologische, als eine geschichtsphilosophische Theorie des Flanie- rens denken sollte477, sondern viel mehr als eine lebenspraktische Unterweisung, als eine Art Weisheitslehre der Spazierkunst478, als eine erlernbare "Wanderschau und ambulante Nachdenklichkeit"479, zeigt eine Fotografie, ein erstes Denkbild480 den von Podak ins Bild gesetzten Johnson als einen mit dieser Lebensgegend, - der Upper West Side -, vertrauten "Einheimischen"481, als den Nachbarn, der mit seinem Stadtviertel 476 Vgl. Walter Benjamin: Gesammelte Schriften. Band IV.1. Kleine Prosa. Baudelaire- Übertragungen. Hg. Tillman Rexroth....

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