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Pädagogik des Geistes

Zur Wiedergeburt des Subjekts als potentielle Person

Dietmar Langer

Die Pädagogik des Geistes ist eine erziehungsphilosophische Handlungstheorie und beruht auf einem gemäßigten Naturalismus, der eine Versöhnung der Philosophie des Geistes mit Darwins Evolutionsannahme darstellt und für die Wiedergeburt des dezentrierten Subjekts plädiert, jedoch nunmehr als potentielle Person. Im Sinne des kritischen Personalismus können Befunde der modernen Hirnforschung mit alten pädagogischen Einsichten erneut in Einklang gebracht werden. Dass man Vernunftprinzipien (Wahrheit, Richtigkeit, Freiheit etc.) überhaupt anwendet und auf seinen konkreten Willen im Sinne von Entschlussfähigkeiten bezieht, dazu bedarf es – und das haben Kant, Hegel und Dilthey noch nicht bedacht – eines (zuweilen auch vorrationalen) Willens zur Vernunft (Patzig). Von daher ist der Willensbereich das Zentrum der Pädagogik des Geistes, die im Anschluss an Petzelt und Spranger heute davon ausgeht, dass ohne Willen auch im Gehirn nicht viel geht, weder bei der Moralentfaltung, noch bei der Wertebildung und auch beim Denken und Urteilen nicht. Unser Geist, was immer er als Inbegriff eines Vermögens in Wirklichkeit auch sein mag, läge ohne Willen nahezu völlig brach – eine These, die auch von heutigen Neurologen (z. B. Kornhuber, Deecke) unterstützt wird.

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2 Zur Problematik der Pädagogikdes Geistes

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15 2 Zur Problematik der Pädagogik des Geistes Es gibt zwar gute Gründe für die Verabschiedung vom Willensbegriff, wo- von noch ausführlich die Rede sein wird (vgl. 3.1 und 6.2), und sicherlich können die Denkweisen von Petzelt und Spranger den heute gestellten An- sprüchen, Pädagogik als Handlungstheorie zu begründen, nicht mehr ge- recht werden, aber es ist dennoch unverständlich, warum der ‚Wille’ in der Pädagogik nach dem zweiten Weltkrieg – mit wenigen Ausnahmen – sträf- lich vernachlässigt wurde, warum man also den Faden zu Spranger und Petzelt fast völlig hat abreißen lassen.11 Ihn wieder aufzuspüren und mit Hilfe der analytischen Einstellung in der Philosophie des Geistes sowie der Vernunftauslegung des kritischen Rationalismus neu aufzuspannen, um somit naturalistische Befunde mit pädagogischen Einsichten erneut in Ein- klang zu bringen, ist das Hauptziel des Buches. Dem stellen sich allerdings gewaltige Probleme in den Weg (vgl. 2.1 bis 2.3). Der Bezug auf den kritischen Rationalismus im Sinne Karl Poppers hat mich deshalb interessiert und motiviert, weil sich Popper einerseits nur in seinen Frühschriften als Schullehrer in Wien zwischen 1928 – 1932 zu ein- zelnen ‚Erziehungsproblemen’ äußerte, und weil sich andererseits sein Ein- fluss auf die Pädagogik als einer Handlungstheorie bis heute in sehr engen Grenzen hielt. Außerdem ist dieser speziellen Problemstellung noch nicht konsequent nachgegangen worden, denn als „Erzieher ist Popper“, wenn Helmut Spinner Recht hat, „nicht aus der Erziehungswissenschaft ver- schwunden, sondern nie präsent gewesen...

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