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Pädagogik des Geistes

Zur Wiedergeburt des Subjekts als potentielle Person

Dietmar Langer

Die Pädagogik des Geistes ist eine erziehungsphilosophische Handlungstheorie und beruht auf einem gemäßigten Naturalismus, der eine Versöhnung der Philosophie des Geistes mit Darwins Evolutionsannahme darstellt und für die Wiedergeburt des dezentrierten Subjekts plädiert, jedoch nunmehr als potentielle Person. Im Sinne des kritischen Personalismus können Befunde der modernen Hirnforschung mit alten pädagogischen Einsichten erneut in Einklang gebracht werden. Dass man Vernunftprinzipien (Wahrheit, Richtigkeit, Freiheit etc.) überhaupt anwendet und auf seinen konkreten Willen im Sinne von Entschlussfähigkeiten bezieht, dazu bedarf es – und das haben Kant, Hegel und Dilthey noch nicht bedacht – eines (zuweilen auch vorrationalen) Willens zur Vernunft (Patzig). Von daher ist der Willensbereich das Zentrum der Pädagogik des Geistes, die im Anschluss an Petzelt und Spranger heute davon ausgeht, dass ohne Willen auch im Gehirn nicht viel geht, weder bei der Moralentfaltung, noch bei der Wertebildung und auch beim Denken und Urteilen nicht. Unser Geist, was immer er als Inbegriff eines Vermögens in Wirklichkeit auch sein mag, läge ohne Willen nahezu völlig brach – eine These, die auch von heutigen Neurologen (z. B. Kornhuber, Deecke) unterstützt wird.

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4 Zusammenhang von Handlung und Subjekt

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David Hume (1711 – 1776) betrachtete das Ich als Bündel und Einheit von Bewusstseinszuständen64, was heute von Hirnforschern zwar wissenschaft- lich untermauert wird, wie aber die Einheit aus naturwissenschaftlicher Sicht entsteht, bleibt auch für sie weiterhin ein Rätsel, das bislang weder aus naturphilosophischer Sicht alle Zweifel ausräumend geklärt noch mit den neuesten Methoden der modernen Hirnforschung restlos gelöst werden konnte. Insofern plädieren wir aus sprachphilosophischer Sicht für eine Re- naissance des Ich in der Pädagogik des Geistes, jedoch nur in der Klein- schreibweise (vgl. Langer 2011 d). Das ist das Ergebnis von Kapitel 3. In drei Sätzen zeigte sich die ganze Problematik der Beziehung zwischen einer Handlung und dem Subjekt noch einmal auf einen Blick. Sie hat trotz größten interdisziplinären Einsatzes aller Kräfte immer noch keine Lösung gefunden und verlangt weiterhin nach neuen Antworten, wenngleich es viele unterschiedliche Lösungsansätze gibt. Nach den bisherigen Überle- gungen können die drei Sätze kurz so formuliert werden, dass die poten- tielle Person als Handlungssubjekt ins Spiel kommt, die zu sich >ichDas Gehirn urteilt und entscheidetWiderlegungplastischen SteuerungHandelns nach GründenstrengWillensfreiheitEtwasNichtsFreiheitvernünftigrationalBehauptungenpraktischedas Subjektje- mandichsich bildenIchSelbstSubjektPersonTerminiNochichetwasjemand<, und das bedeutet, dass sie schon im Mutterleib menschliche Subjekte sind, die allerdings – so die These – Per- sonen werden können, was z.B. für Schimpansen völlig ausgeschlossen ist, obgleich auch sie kommunizieren, lernen, lachen, spielen, Werkzeug ge- brauchen und um ihre toten Jungen trauern können. Die Annahme, dass 122 jeder...

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