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Der andere Goethe

Die literarischen Fragmente im Kontext des Gesamtwerks

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Karina Becker

Die erste umfassende Interpretation der literarischen Fragmente Goethes eröffnet den Blick auf andere, weitgehend unbekannte Texte des Dichters. Im Kontext des Gesamtwerks entsteht jetzt ein anderes Goethebild, das literarisch, ästhetisch und inhaltlich überrascht. In einer thematischen Zusammenschau ergeben sich Bilder von den «würdigen Brüdern des Götz von Berlichingen», von Napoleon, von Faust und Wilhelm Meister als negativen und positiven Exempeln der Menschheit. Auch wird plötzlich das Fragmentarische der vollendeten Werke deutlich. Mithilfe kunstgeschichtlicher Kategorien wird der Fragmentbegriff präzisiert, indem literarische Werkstattformen wie croquis, esquisse, étude von abgebrochenen ( Non finiti) und als Fragment publizierten Texten ( Torsi) differenziert werden.

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Französische Revolution

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Das „schrecklichste aller Ereignisse in seinen Ursachen und Folgen dichterisch zu gewältigen“1 hat Goethe in verschiedenen Gattungen und Formen und unter ver- schiedenen Aspekten versucht. Lassen die Opernfragmente die Suche nach der ge- eigneten Form für den darzustellenden historischen Konflikt erkennen, bieten die Lustspielfragmente Lösungsvorschläge, hypostasieren aber auch die Gründe für das Scheitern der Harmonisierung der Stände ohne eine Revolution. Im Fragment ge- bliebenen Roman oder Epos stellt Goethe verschiedene Positionen einander ge- genüber und skizziert eine märchenhafte Lösung. Im Tragödienfragment schließ- lich wird das Scheitern der disponierten Idee dramatisch und ästhetisch vorgeführt. Zu Goethes Revolutionsstücken werden auch diejenigen gezählt, die thematisch und zeitlich im Vorfeld der Französischen Revolution entstanden oder entworfen worden sind, da ihr Stoff, wie Goethe selbst bemerkte, das Ende des Ancien Régime vorbedeutete.2 1. Lug und Trug zum Vergnügen Goethes Opere buffe im Vorfeld der Französischen Revolution Zu diesen Stücken gehören thematisch Goethes fragmentarisch gebliebenen Opere buffe3 „Die ungleichen Hausgenossen“ und „Die Mystificirten“. An den „Unglei- 1 WA II, 11, 61 (Bedeutende Förderniß durch ein einziges geistreiches Wort). 2 Siehe WA I, 33, 264 (Campagne in Frankreich). Anders befindet Reiner Wild im Kommentar der Münchner Goethe-Ausgabe: es sei „unrichtig“, den „Groß-Cophta“ „in eine Reihe mit den Revo- lutionsdramen zu stellen“ (MA 4.1, 949). 3 ‚Opera seria‘ und ‚opera buffa‘ benutzte man im 18. Jahrhundert als Gattungsbezeichnungen, als Untertitel wurden sie aber...

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