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Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

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Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

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Kapitel 4: Metapher und Metonymie

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4.1 Vergleichendes Betrachten von Form und Farbe Beim Übertragen visueller Eindrücke in Sprache durch mimetische Gesten des Zeigens und Nachzeichnens werden Erscheinungen wie die sie bezeichnenden Begriffe in Gefüge aus wechselseitig abhängigen Bedeutungen eingepaßt. Farben und Formen nehmen Zeichenfunktion an, indem sie stellvertretend für die Ursa- che und in orts- bzw. zeitgebundenem Verhältnis zu dieser gesetzt werden. Rot und Gelb versinnbildlichen den Herbst als typische, zu dieser Jahreszeit bei Blättern und Früchten vorherrschende Farben, sodaß die symptomatisch gedeutete Farbveränderung an der Oberfläche der Natur das Journal-Ich an sein Kommen erinnert: “Hazel nut husks now have a reddish edge-being ripe- Is not this a sign? It is already the yellowing year-” August 12, 1854, PJ 8:262. Die Persona hält Ausschau nach solchen Anzeichen.245 Hinter der Farbveränderung stehen Bedeu- tungszusammenhänge, die bis auf die Ebene der Etymologie reichen, weshalb die relative Farbverteilung zur Jahreszeit und ihre Wirkung auf das Ich systematisch erfaßt wird. Die Außenwelt steht in Wechselwirkung mit den Stimmungen, Erwartungen und Gedanken des Subjekts, dessen Innen- wie Außenseite durch den Text sichtbar und kartiert werden. Die Farbe als Spur und Zeichen bildet Entsprechung, Station und Brücke im Prozeß des Verstehens zwischen Phänomen, Welt und Subjekt und dient als allegorisches Zeichen für Vollendung: I think that the change to some higher color in a leaf is an evidence that it has arrived at a late and more perfect and final maturity,...

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