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Der Holocaust in der polnischen Erinnerungskultur

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Edited By Anna Wolff-Poweska and Piotr Forecki

Dieses Buch ist ein Versuch des Entgegenkommens und der Aufnahme eines Dialogs der Erinnerungen. Es geht dabei um die Menschen, die seit Jahrhunderten auf polnischem Boden gelebt hatten, die zur Schatzkammer der polnischen Kultur einen gewaltigen Beitrag geleistet hatten und die die deutsche Besatzungsmacht vernichtet hatte. Es ist eine kritische Abrechnung mit der Geschichte der polnisch-jüdischen Beziehungen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und nach dessen Ende, mit der polnischen Politik gegenüber dem Holocaust und mit der Erinnerung an diesen. Die Autoren vertreten verschiedene wissenschaftliche Disziplinen; sie stellen die Evolution der Erinnerungskultur der Polen dar und führen die Leser durch die Zeit der Existenz der Volksrepublik Polen (1945-1989) sowie des demokratischen Polen seit 1990. In diesem Buch begegnen sich erfahrene Autoren und Vertreter der jungen Generation, die sich mit dem Problem der Schuld, ihrer Verdrängung und der Ausfüllung der weißen Flecken der Geschichte auseinandersetzen und eine eigene Sprache für die Interpretation der Vergangenheit suchen. Sie analysieren die verschiedenen Träger der Erinnerung an die Juden (u. a. Museen, Filme und die schöne Literatur). Das Buch setzt ein Zeichen für eine neue Empfindsamkeit für die Vergangenheit und deren Bedeutung für das Verständnis der Gegenwart.

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Literatur, Filme, Museen. Die Repräsentation der Erinnerung

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Blätter der Erinnerung. Die polnisch-jüdische Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg Józef Wróbel Die jüdische Kultur in Polen verfügte seit dem 19. Jh. über drei verschiedene Mög- lichkeiten der Äußerung: auf Hebräisch, auf Jiddisch und auf Polnisch. Die säkulare Literatur in der wiederauflebenden hebräischen Sprache, deren hervorragendster Re- präsentant auf polnischem Gebiet Jizchok Leib Perez war, verlegte sich in der Zeit der Entstehung und Entwicklung des zionistischen Gedankens gegen Ende des 19. Jhs. ganz selbstverständlich nach Palästina. Die jiddische Literatur entwickelte sich in einer von der polnischen Literatur getrennten Strömung und unterstützte dabei sehr oft persönlich die in Amerika im Entstehen begriffene Literatur in dieser Spra- che, man denke nur an Joseph Opatoshu, den Autor des (auch in polnischer Überset- zung) vielgelesenen Romans In pojlische welder (In polnischen Wäldern; 1921), in dem es um den Januaraufstand in Polen1 geht, den Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer oder seinen weniger bekannten älteren Bruder Israel Jehoschua Singer, den Verfasser des Romans Di brider Ashkenasi (Die Brüder Ashkenasi; 1937). Die Entscheidung, in polnischer Sprache zu schreiben, bedeutete für jüdische Literaten Anfang des 20. Jhs. eine Wahl der Identität und, allermeistens, die Lossa- gung von der alten Tradition oder Lockerung der Bindung an sie. So war es noch zu Beginn der Zwischenkriegszeit; Beispiel dafür können die künstlerischen Stra- tegien Julian Tuwims, Antoni Słonimskis oder Józef Wittlins sein. In den...

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