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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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III. Gesellschaftstheorie, Alltagstheorie und Subjektkonstitution 42

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Ill. Gesellschaftstheorie, Alltagstheorie und Subjektkonstitution 1. Etwas ist also lebendig, nur inso- fern es den Widerspruch in sich ent- halt, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten. (G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik) Wenn, wie Adorno in seiner ,Einleitung in die Soziologie" heraus- stellt, der ,Begriff der Gesellschaft eigentlich ein Begriff ist, der ein Verhaltnis zwischen Menschen bezeichnet" (Adorno 1993: 68), so ergibt sich daraus die sozialtheoretisch begrundete Aufgabe, Vermitt- lungen zwischen Individuum und Gesellschaft jeweils historisch-kon- kret aufzuschlusseln: ,Es gibt also genauso wenig im gesellschaft- lichen Sinn lndividuen, namlich Menschen, die als Personen mit eigenem Anspruch und vor al/em als Arbeit verrichtende existieren konnen und existierten, es sei denn mit Riicksicht auf die Gesellschaft, in der sie Ieben und die sie bis ins lnnerste hinein formt, wie es auf der andern Seite auch nicht Gesellschaft gibt, ohne dass ihr eigener Beg riff vermittelt ware durch die lndividuen; denn der Prozess, durch den sie sich erhoht, ist ja schlie/3/ich der Lebensprozess, der Arbeits- prozess, der Produktions- und Reproduktionsprozess, der durch die einzelnen, in der Gesel/schaft vergesellschafteten lndividuen in Gang gehalten wird" (1993: 69 f.). Eingeholt wird mit dieser Perspektive eine Einschatzung Lefebvres, dass die Kritik des Alltagslebens die Kritik der politischen Okonomie im Sinne von Marx einschlieBe und uber- greife und darauf ausgerichtet sei, den gesellschaftlichen Menschen, der auf seinen okonomischen Aktivitaten, aber auch daruber hinaus beruhe, zu erforschen (Lefebvre 1989: 604).39 lm Kapitel ,Materialistische Bildungsarbeit" ihrer Untersuchung zu W. Benjamin diskutiert Buck-Morss dessen...

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