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Erinnerungspolitik der DDR

Dargestellt an der Berichterstattung der Tageszeitung «Neues Deutschland» über die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen

Anne-Kathleen Tillack-Graf

Zum antifaschistischen Leitbild der DDR gehörte die Erinnerung an die nationalsozialistische Herrschaft. Eine zentrale Rolle spielten hierbei die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen. Doch in welchem Umfang nutzte die DDR die Erinnerung für ihre Politik? Wie wurde diese «Erinnerungspolitik» der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung angepasst? Welchen Einfluss hatten dabei der Kalte Krieg und das Verhältnis zur Bundesrepublik? Anhand der Berichterstattung des SED-Zentralorgans «Neues Deutschland» über die Feiern zur Befreiung der Konzentrationslager untersucht die Autorin die propagandistische Nutzung dieser Gedenkstätten und zeigt auf, wie in der DDR die Erinnerung von der Politik und für die Politik instrumentalisiert worden ist.

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Instrumentalisierung der Nationalen Mahn und Gedenkstätten

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88 Instrumentalisierung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Betrachtet man die äußere Entwicklung der Berichterstattung im ND, wird be- reits deutlich, dass der Amtsantritt Erich Honeckers als Erster Staatssekretär der SED im Jahre 1971 eine Zäsur in der Erinnerungspolitik der DDR darstellt. Un- ter Walter Ulbricht wurden 1965 und 1970 nicht alle Feierlichkeiten im ND be- gleitet. Wenn eine Berichterstattung erfolgte, dann waren dies nur kurze Mel- dungen über die bevorstehenden Feierlichkeiten und knappe Artikel danach. Die Beiträge im ND waren sowohl von der Platzierung als auch von der Erscheinung her noch recht unauffällig. 1975 gab es dagegen einen sprunghaften Anstieg in der Menge und in der Größe der Artikel. So erschienen ab 1975 zu allen Befreiungsfeiern mehrere Vor- und Nachberichte. Ein zusammenfassender Artikel füllte fast das ganze Titelblatt des ND des folgenden Montags. Meist war es die dritte Seite der Aus- gabe, die mit Reden der Befreiungsfeiern und Berichten über Rahmenveranstal- tungen gefüllt wurde. Ebenfalls seit 1975 wurden in allen Artikeln Fotos abge- druckt, beispielsweise von den Feiern, Zeichnungen von Häftlingen und Foto- grafien, die nach der Befreiung der Konzentrationslager angefertigt worden sind. Das Erscheinungsbild der Artikel über die einzelnen Gedenkstätten ähnelt sich hinsichtlich der Anordnung von Bild und Text, der Platzierung der Artikel in- nerhalb einer ND-Ausgabe und der Bildmotive. Zudem ähneln sich die Fotos der verschiedenen Befreiungsfeiern einer Gedenkstätte auch von Jahr zu Jahr. Hier wird das Vereinheitlichende der Erinnerungspolitik der DDR optisch deutlich. Der Individualit...

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