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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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VIII. Houellebecq – Ein sentimentaler Realist

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1. „Man darf sich nicht von der Geschichte hereinlegen lassen“ Anschließend an Beigbeders Realismus soll mit Michel Houellebecq ein weite- rer Autor betrachtet werden, der wie Beigbeder den zuvor analysierten Autoren entgegenzustehen scheint. Anstatt ein hermetisch abgeschlossenes ästhetisches, in seiner Künstlichkeit von den Gesetzmäßigkeiten der äußeren Welt abgelöstes literarisches Universum zu konstruieren, lässt sich Houellebecq wie Beigbeder eigenen Aussagen zufolge bewusst auf die äußere Welt ein: « Tout le monde va au supermarché, lit des magazines, tout le monde a une télévi- sion, un répondeur ... Je n’arrive absolument pas à dépasser cet aspect des choses, à échapper à cette réalité; je suis effroyablement perméable au monde qui m’entoure. »463 Es scheint, als habe die „Zurückweisung jeder Tiefendimension durch einen Teil der Post-Modernität solche Realismen geradezu herausgefordert“464, begründet Asholt die Rückkehr zu einem augenfälligen Realismus bei Autoren wie Beig- beder oder Toussaint. Tatsächlich sind die Äußerungen Houellebecqs, die eine dezidierte Kritik an den Autoren des Nouveau Roman erkennen lassen, zahlreich. So lehnt er in der Tat ausdrücklich den Formalismus des Nouveau Roman ab und kritisiert deutlich die Hinwendung zum spielerischen Umgang mit der Form, wie sie im Verlauf des Nouveau Roman und seiner Nachfolge praktiziert wird: « Je n’ai jamais pu, pour ma part, assister sans un serrement de coeur à la dé- bauche de techniques mise en oeuvre par tel ou tel ‹ formaliste-Minuit › pour un ré- sultat final aussi mince. Pour tenir...

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