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Re-Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989?

Redaktion: Florian Tuder

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Alojz Ivanisevic

Die Wende von 1989 bzw. 1991 hat die Religionsgemeinschaften in den ehemals kommunistischen Staaten Südosteuropas auf die Bühne der politischen Öffentlichkeit zurückgebracht. Sie wurden aufgewertet, aber nicht unbedingt in spiritueller, sondern in institutioneller, politischer und nationaler Hinsicht. Heute, zwei Jahrzehnte nach der Wende, erheben die Religionsgemeinschaften Südosteuropas häufig den Führungsanspruch in der Gesellschaft – nicht nur in religiöser und moralischer, sondern auch in national-politischer Hinsicht. Bei ihren Versuchen, die Gesellschaft zu sakralisieren, profanisieren sie sich jedoch häufig selbst. Mit diesen Phänomenen befassen sich die in diesem Band enthaltenen Beiträge, die in Form von Referaten im Rahmen der vom 16. bis 18. September 2010 in Graz abgehaltenen Tagung «Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989» präsentiert und diskutiert wurden.

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Multiple Europäizitäten: Orthodoxie und Islamin politischen öffentlichen Diskursen in Bulgarien nach 1989. Stefan Rohdewald

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99 Multiple Europäizitäten: Orthodoxie und Islam in politischen öffentlichen Diskursen in Bulgarien nach 1989 Stefan Rohdewald Der vorliegende Beitrag wendet sich im Rahmen der Fragestellung des Bandes Bul- garien zu, indem Aspekte der Entwicklung von Religion im Zusammenhang mit Diskursen in politischer Öffentlichkeit mit Beispielen umrissen werden. Dabei wird nicht von einer rationalistischen Utopie von Öffentlichkeit im Sinne von Habermas auszugehen sein: Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die kontroverse Abhandlung oder einseitige Propagierung verschiedener Diskurse. Ein Diskurs formt und be- grenzt dabei ein Handlungsfeld auf der sprachlichen Ebene als Sprachfeld.1 Diskurse können in der Konkurrenz von Kommunikationsakten besondere Handlungslogiken und im „relationalen sozialen Raum“2 eine eigene Ausprägung von „Öffentlichkeit“ hervorbringen. Grundsätzlich ist von unterschiedlichen Öffentlichkeiten mit ver- schiedenen räumlichen und sozialen Reichweiten auszugehen.3 Beispielsweise na- tionale „Erinnerungsfiguren“4 stehen aus der Sicht der Sprechenden und Schreiben- den dabei in erster Linie als Medien zur Verfügung. Durch die Medialisierung kön- nen sich aber sowohl der Inhalt als auch das Medium der zu verbreitenden Nachricht verändern. Dies gilt gerade an den Grenzen und in den Überlappungsgebieten zwi- schen dem religiösen Sprach- und Handlungsfeld mit den Diskursen des Nationalis- mus und der Politik zu beachten. Einführend wird auf parlamentarische Diskussionen über die Erwähnung von Re- ligionen in der Verfassung eingegangen, danach auf die Verwendung nationaler Heiliger in politischen und nationalen Kontexten durch Politiker, Historiker und Geistliche bzw. auf die Frage, ob nach dem Vorbild der Zwischenkriegszeit eine (Re-)Sakralisierung von...

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