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Toilettengraffiti

Unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen

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Christiane Stumpf

Kommunikation in den unterschiedlichsten Realisierungsformen ist unser täglicher Begleiter. Selbst an den intimsten Orten kommunizieren Menschen miteinander. Einer dieser Orte ist die Toilettenkabine. Unbeobachtet und ohne sich zu kennen treten Männer und Frauen durch Toilettengraffiti an der Wand in Kontakt mit dem eigenen Geschlecht. Anhand einer Korpusanalyse werden in dieser Arbeit zentrale Fragestellungen zum «Nebenbeimedium» Graffiti untersucht: Wie unterscheidet sich das Kommunikationsverhalten der Geschlechter beim Schreiben an der Kabinenwand? Hat die Besonderheit des Ortes Einfluss auf die Textgestaltung und den Umgang miteinander? Welche unterschiedliche Bedeutung hat die Toilettenwand als Kommunikationsmedium für Männer und Frauen?

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3 Toilettengraffiti

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Toilettenwände gelten neben Schulbänken oder Gefängniswänden als einer der Orte, an denen die Produktion von Graffiti verstärkt auftritt. Nicht zuletzt fallen diese Produktionen unter eine jeweils eigene Stilrichtung. Die Toilettenkabine erlaubt dem Produzenten unter verschiedensten gegebenen Voraussetzungen, seinem Drang nach Schreiben nachzugehen. Diese unterschiedlichen Faktoren nehmen auf das Entstehen von Graffiti an sich, auf deren Inhalte, aber auch auf den Umgang mit Sprache Einfluss. Inwieweit sich bisher wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandergesetzt wurde, soll im Folgenden dargestellt werden. Zudem soll deutlich gemacht werden, welchen Einfluss der Faktor Örtlichkeit auf die Realisierung von Sprache an der Wand haben kann. 3.1 Forschungsstand Toilettengraffiti selbst gehören bisher zu einer eher unerforschten Rubrik der Graffitistile. Entsprechend klein ist hier die Bandbreite der Forschungsliteratur. Zwar beschäftigte sich die Forschung schon sehr früh mit dem Phänomen Graffiti an sich, so dass vor allem die Graffitiproduktionen der Street-Art-Szene, aber auch Gefängnis- oder Schulbankgraffiti einige Forschungsergebnisse lieferten. Genauere Analysen zum Thema Toilettenkritzeleien kamen jedoch erst in den letzten Jahrzehnten auf. Vielleicht liegt es an dem anrüchigen Ruf der Toilettengraffiti, dass dieses Thema bisher kaum in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit Aufsehen erregte. Obwohl sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein ausgewählter Kreis von For- schern mit diesem Thema beschäftigte und die Zeitschrift „Anthropophyteia“ veröffentlichte, blieb dieser Forschungsbereich immer wieder unbeachtet. „Um die Jahrhundertwende erschien insgesamt zehnmal (1904–1913) die Zeitschrift Anthropophyteia, wo vor allem Inschriften aus Männertoiletten kommentiert“36 wurden. In dieser Zeitschrift findet sich...

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