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Liebe und Ehe in den erzählenden Werken Hartmanns von Aue

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Nina Spangenberger

Liebe und Ehe treten bei Hartmann von Aue schon als ‘Einzelphänomene’ hervor, doch erweist sich darüber hinaus gerade das Zusammenspiel beider Faktoren als von zentraler Bedeutung für seine Erzähltexte. Daher steht die Verbindung von Liebe und Ehe im Mittelpunkt dieser Arbeit. Zunächst widmet sich die Untersuchung jeweils einzeln Hartmanns erzählenden Werken Erec, Iwein, Gregorius und Der arme Heinrich. Dabei gilt es, den spezifischen Umgang jeder Dichtung mit dem Themenkomplex Liebe und Ehe zu beleuchten. Darauf folgt eine Gegenüberstellung der vier Texte, die sich an sieben Schwerpunkten orientiert – von der Liebesentstehung bis zu dem Verhältnis von Ehe und Eheliebe zur Gesellschaft und zu Gott. In den Einzeluntersuchungen wie im Vergleich werden die Befunde zu Liebe und Ehe bei Hartmann in Beziehung gesetzt zu der hochmittelalterlichen Ehelehre und Ehepraxis.

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4. Schluss

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Die Untersuchung der Erzähltexte Hartmanns von Aue hat gezeigt, dass es dem Dichter zwar nicht um eine Inszenierung der Liebe als alleiniger Ehemotivation geht,1861 er aber der Liebe und der triuwe eine zentrale Bedeutung in der Ehe zu- weist. Das in gegenseitiger Liebe1862 verbundene und der triuwe1863 verpflichtete Ehepaar vermag bei Hartmann ein gottgefälliges Leben in gesellschaftlicher An- erkennung zu führen, das mit dem Eintritt ins Himmelreich nach dem Tod belohnt wird.1864 Die körperliche Erfüllung der Eheliebe steht einem solchen idealen höfi- schen Dasein keineswegs entgegen, sondern ist – dank der Tugend der triuwe, die den richtigen Umgang mit (von weiblicher schœne1865 hervorgerufenem) Begeh- ren und der sinnlichen Seite der Liebe ermöglicht – darin integrierbar.1866 Hartmann greift in der Darstellung von Liebe und Ehe in seinen erzählenden Werken wiederholt die Erfahrungen des höfischen Publikums auf,1867 weicht je- doch zugleich gezielt von diesen Erfahrungen ab. Wenn der Dichter etwa für jedes seiner Protagonistenpaare – ungeachtet der ursprünglich vorherrschenden Motiva- tion zur Heirat – umfassendes eheliches Liebesglück als besonderes Kennzeichen des Ehelebens erkennen lässt, könnte er mögliche persönliche Wünsche seiner zeitgenössischen Rezipienten zum Ausdruck bringen.1868 Denn „[d]ie Umstände, unter denen damals Ehen geschlossen wurden, haben der Liebe meistens nicht viel Platz gelassen“1869. Geht man davon aus, „daß die poetisch geformten Bilder und Lebensformen zugleich ein empfindlicher Indikator für Zustand und Veränderungen in der geistig-seelisch-sozialen Befind- lichkeit einer Gesellschaft sind“1870,...

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