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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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„Von Katz und Maus und mea culpa“ –Grass’ Rezeption des jüdisch-christlichen Erbes - Volker Neuhaus (Osnabrück)

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„Von Katz und Maus und mea culpa“ – Grass’ Rezeption des jüdisch-christlichen Erbes1 Volker Neuhaus (Osnabrück) In Grass‘ gesamtem Werk, von den frühesten Veröffentlichungen des Jahres 1955 bis zu Grimms Wörter von 2010, in Anklängen auch noch im einstweilen letzten Gedichtband Eintagsfliegen von 2012, fällt die große Dichte an Bezügen zur christlichen Tradition auf. Sie reichen von den in der Danziger Trilogie im- mer wieder gestalteten Messen, Sakramenten und Sakramentalien über vielfälti- ge Bibelreferenzen und lyrische Kontrafakturen liturgischer Texte in den Ge- dichten bis zu den historischen Passagen im Butt und in der“, in denen Geschich- te zu großen Teilen als Kirchen- oder ‚Heils‘- beziehungsweise ‚Unheilsgeschich- te‘ erscheint – in der Rättin noch in den posthumanen Zeiten der Rattenherr- schaft. Grass’ Ein weites Feld hat sogar mit dem 15. Kapitel am Ende des Zwei- ten Buchs, „Weshalb die Braut weinte“, ein eigenes ‚religioses Buch‘, wie Goe- the einst die „Bekenntnisse einer schönen Seele“ in Wilhelm Meisters Lehrjahre nannte. Diese Dichte der Bezüge bedarf der Erklärung, da sie bei einem zeitgenössi- schen Autor nahezu singulär sein dürfte. Grass als aufklärerischen Atheisten zu sehen, der wie sein Kollege Heinrich Böll gegen den kirchlichen Beitrag zur Restauration in den „falschen Fuffzigern“ wettert, wie sogar in wissenschaftli- chen Arbeiten gelegentlich zu lesen war, wird sicherlich einem Autor nicht ge- recht, der in Aus dem Tagebuch einer Schnecke bekennt, „keine bigotten Katho- liken und keine strenggl...

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