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Von Katz und Maus und mea culpa

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass

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Edited By Anselm Weyer and Volker Neuhaus

Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noahbund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Günter Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Günter Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt.

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Bilder einer Ausstellung. „Eule, Ratte, Golgatha“ – Apokalyptische Visionen von Günter Grass - Volker Neuhaus (Osnabrück)

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Bilder einer Ausstellung. „Eule, Ratte, Golgatha“ – Apokalyptische Visionen von Günter Grass1 Volker Neuhaus (Osnabrück) Günter Grass ist, wie er selbst immer wieder betont, nach den Maßstäben der westlichen traditionellen Wortkultur als abgebrochener Neuntklässler alias Obertertianer hinsichtlich der sogenannten ‚Bildung‘ Autodidakt. Förmliche Ab- schlüsse hat er lediglich als Handwerker (Steinmetz und Steinbildhauer) und sozusagen als ‚Diplom-Bildhauer‘ vorzuweisen, d. h. als Bildhauer- Meisterschüler von Karl Hartung. Noch 1959, als die Frankfurter Buchmesse seinen Durchbruch als Epiker mit seiner Blechtrommel brachte, wird Grass bei der Hotelregistrierung als Beruf „Bildhauer“ angegeben haben. Nachdem er dann in Zweijahresabständen mit der Novelle Katz und Maus 1961 und dem zweiten Riesenroman Hundejahre 1963 weitere Welterfolge vorgelegt hatte, stand fortan der Künstler Grass ganz im Schatten des Epikers gleichen Namens. Dabei hat Grass die zeichnerische und die bildhauerische Arbeit nie ganz aufgegeben – seit 1972 arbeitet er kontinuierlich als Graphiker, seit Anfang der 1980erJahre sogar wieder als Bildhauer. Die Wahl des Genres unterliegt dabei spezifischen Zyklen – Phasen intensiven epischen Schaffens machen bildkünst- lerischen Perioden Platz, die stets auch mit Lyrik einhergehen, aus denen dann wieder epische Phasen erwachsen. So erlegte sich Grass beispielsweise nach der etwas ratlosen Reaktion der li- terarischen Öffentlichkeit auf die Kopfgeburten und aufgrund eigener Zweifel bezüglich der Wirkung von Literatur im Angesicht einer vom Untergang be- drohten Welt 1980 ein regelrechtes „Schreibverbot“ auf: Warum sollte er noch weiter schreiben, wie länger auf die langfristig aufklärerische Wirkung von Lite- ratur setzen,...

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