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Interkulturelle Erkundungen

Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen- Teil 1

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Edited By Andrea Benedek, Renata Alice Crisan and Szabolcs János

Der Band vereint die Beiträge der IV. Internationalen Germanistentagung, die unter dem Titel Interkulturelle Erkundungen. Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen im September 2010 an der Christlichen Universität Partium in Oradea (Rumänien) stattfand. Der im Zeichen der Interdisziplinarität gestaltete Band beinhaltet sowohl Studien zu Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, Presseforschung als auch Beiträge zu den deutschen Regionalliteraturen und zur Rezeptionsgeschichte der deutschen Literatur im nichtdeutschsprachigen Raum.

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Wirklichkeiten und Wahrheiten. Über Sprache und Erkenntnis bei Elias Canetti. Ildikó Hidas (Piliscsaba)

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Wirklichkeiten und Wahrheiten. Über Sprache und Erkenntnis bei Elias Canetti Ildikó Hidas (Piliscsaba) Vor hundert Jahren ahnten viele in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, dass es die Wirklichkeit nicht gibt. Jeder Fixpunkt außerhalb des Egos, an dem man sein individuelles wie soziales Handeln messen und ausrichten könnte, schien verschwunden. Die höchste Manifestation dieser Tatsache zeigte sich in der Sprache. Wenn man nicht wusste, was der andere beim Aussprechen eines Wortes denkt, wenn Tisch nicht mehr Tisch ist, und Stuhl kein Stuhl mehr – und das sind nur die einfachsten Gegenstände � dann kann auch die Wahrheit nicht mehr begriffen, nicht mehr verstanden werden. Wenn die Wirklichkeit ver- schwommen ist, wenn ein jeder seine private Wirklichkeit besitzt, dann verirrt man sich in dem Labyrinth der Worte, der Lügen. Als junger Dichter am Anfang der 20-er Jahre in Wien hatte es Elias Canetti vor, die sprachliche Seite dieser schwindenden Wirklichkeiten zu zeigen. Durch die brillanten Sprachmasken seiner Romanfiguren in der Blendung wird klar, wie sehr die Phantasiewelt, – wie Freud sagt, die Wunschvorstellungen – die Wirklichkeit des Einzelnen und nicht zuletzt dessen Sprache prägen. Merkwür- digerweise liefert Canetti dafür auch ein eigenes Beispiel, indem er verdichtete Autobiographien schreibt. Sprache und Erkenntnis bleiben bei ihm untrennbar. Die Entstehung der Blendung Der junge Canetti plante einen achtbändigen Romanzyklus nach dem Bal- zac´schen Muster. Schon der Titel Comédie Humaine an Irren verweist auf die französische Comédie Humaine und lässt groteske Züge ahnen. Der ursprüngli- che...

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