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«Barocco Leccese»

Eine Sonderform des Barock betrachtet in Lecce an der Basilika Santa Croce

Sabina Costede

Exzentrischer Ideenreichtum und eigenwillige Originalität zeichnen den Lecceser Barock aus, der sich auf der salentinischen Halbinsel Italiens um Lecce im 16. Jahrhundert etabliert hat. Ist das Außergewöhnliche dieser Stilrichtung zwar längst erkannt, so ist sie in der deutschsprachigen Fachwelt bisher jedoch kaum gewürdigt und auch in der italienischen Kunstgeschichte erst in jüngerer Zeit in Ansätzen erforscht worden. Diese Analyse belegt die Berechtigung, ja sogar die Notwendigkeit, den Barocco Leccese als eine Sonderform des Barock den allgemein bekannten Formen des Barock ebenbürtig gegenüberzustellen. Die Verfasserin weist dies in einer umfassenden Neubewertung jener eigenwilligen Baukunst durch neue, bisher nicht erkannte Aspekte mit Blick auf die Basilika Santa Croce nach.

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11 Die Fassade von Santa Croce als „Pietra prima" eines städtebaulichen Kunstwerks

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90 Keine der anderen Bauten in Lecce, die gleichfalls von den nämlichen Architekten geschaffen sind, hat diese Anziehungskraft wie die Fassade von Santa Croce. Während ihr die Funktion der diesseitsgerichteten Außendarstellung zukommt, ist das Kircheninnere der meditativen Selbstbe- sinnung und der Ausrichtung auf das Jenseits gewidmet. Die ausführenden Architekten in Lecce haben nach dem Willen und den Wünschen des Ordens die Kirche so konzipiert und errichtet, und dies über eine Hundert Jahre währende Bauzeit, in welcher der Prior des Klosters häufig wechselte. Folglich muss das Baukonzept von Santa Croce in seiner Ausformung über die Bauzeit hinweg von allen Brüdern des Lecceser Klosters getragen worden sein. 11 Die Fassade von Santa Croce als „Pietra prima“ eines städtebaulichen Kunstwerks Santa Croce ist mit ihrer Fassade die prunkvollste der zahlreichen Kirchen Lecces, sozusagen die Juwelenkrone im Stadtbild. Demgegenüber muss jedoch auch der Gesamteindruck der Stadt mit der Basilika als ihrem integralen Bestandteil ins Auge gefasst werden. In diese Gesamtschau reihen sich auch die anderen Kirchen ein sowie kunstvoll gestaltete Fassaden zahlreicher profaner Palazzi mit üppig verzierten Balkonelementen, über alldem der Schutzheilige der Stadt St. Oronzo seinen Segen spendet. Lecce war immer auch eine Stadt des Adels und der kaufmännischen Aristokratie, die ihren Reichtum und ihren Einfluss mit ihren Residenzen zur Schau stellte.399 Der neapolitanische Adel, der im Gefolge Karls V. in die Stadt gekommen war und sich mit repräsentativen Palazzi großzü- gig eingerichtet hatte, um seine Stellung nach au...

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