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Das naturwissenschaftliche Weltbild am Beginn des 21. Jahrhunderts

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Edited By Bernulf Kanitscheider and Reinhard Neck

Anhand ausgewählter Beispiele wird untersucht, wie die Naturwissenschaften unser gegenwärtiges Weltbild beeinflussen. Dabei wird in einem interdisziplinären Dialog zwischen Vertretern der «exakten» Wissenschaften und Philosophen ausgelotet, ob und wie neuere Erkenntnisse dieser Wissenschaften Weltanschauung und Menschenbild der Gegenwart (und, soweit absehbar, der Zukunft) prägen. Unter anderem werden die Stellung des Menschen im Kosmos, Gehirn und Bewusstsein, Quantenphysik und Realität, Fragen der Evolution sowie das Verhältnis von naturwissenschaftlichem und religiösem Weltbild erörtert.

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4. Das wissenschaftliche Weltbild und die religiöse Weltauffassung Hans Albert 67

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Kapitel 4 Das wissenschaftliche Weltbild und die religiöse Weltauffassung Hans Albert 4.1 Zur möglichen Konkurrenz von Glaube und Wissen In der vorkantischen Philosophie gehörte die Frage nach dem Wesen und der Exis- tenz Gottes zu den zentralen Fragen der Metaphysik. Außerdem spielte die Gottes- idee eine wichtige Rolle in der Erkenntnislehre. Die Übereinstimmung von Den- ken und Wirklichkeit, also die Wahrheit der Erkenntnis, wurde oft dadurch ge- rechtfertigt, dass beide Bereiche von Gott abhängig seien.1 Vor allem die Kant- sche Philosophie hat in dieser Hinsicht eine Wende gebracht. Im Rahmen der Kantschen Erfahrungstheorie war ein Rückgriff auf die Gottesidee nicht mehr möglich. In ihr tritt an die Stelle Gottes das erkennende Subjekt, das die Überein- stimmung zwischen Denken und Wirklichkeit deshalb erzeugen kann, weil die be- treffenden Gegenstände zum Bereich der Erscheinungen gehören. Aus der meta- physischen These der Existenz Gottes wird bei Kant ein Postulat der praktischen Vernunft, so dass Gott auch für die Begründung der Moral keine Rolle mehr spielt. Diese ist vielmehr in der Autonomie der Vernunft begründet. Aber es gibt über die Lehre von der Glückseligkeit eine Brücke zwischen Moral und Religion. Bei Kant spielt also die These der Existenz Gottes weder für die Begründung der Erkenntnis noch für die der Moral eine Rolle. Er hat sie aber dennoch als Glau- bensthese zugelassen. Er sagt sogar ausdrücklich, dass er das Wissen aufheben musste, um für den Glauben...

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