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Die Wechselverpflichtung im 19. Jahrhundert

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Judith Freund

Im frühen 19. Jahrhundert entsteht ein gemeinsamer deutschsprachiger Wirtschaftsraum. Einher geht die Vereinheitlichung der Wechselgesetzgebung hin zur allgemeinen deutschen Wechselordnung von 1849. Diese legt sich auf keine bestimmte rechtliche Vorstellung fest. Damit bleibt Raum für die Entstehung zahlreicher unterschiedlicher Wechselrechtstheorien. Gleichermaßen nimmt aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung die Bedeutung des Wechsels in der Geschäftswelt zu. Den Wechseltheoretikern stellt sich auch das Problem, wie die neu hinzugekommene Gesetzgebung, wie das ADHGB und das BGB, damit harmonisieren können. Untersucht werden diese Theorien nach ihrer Bedeutung in Kommentaren und in Aufsätzen der neu herausgegebenen handelsrechtlichen Zeitschriften. Dabei werden die wichtigsten Problemkreise wie die rechtliche Einordnung der Tratte, des Indossaments, des Akzepts und der Wechselfähigkeit behandelt. Außerdem werden die zum Teil vehement geführten Diskussionen zwischen den Beteiligten nachgezeichnet. Ergebnis ist, dass jede Theorie eine gewisse Plausibilität besitzt und Institute wie der einseitige Vertrag und der Rechtsschein allmählich von der Wissenschaft akzeptiert werden.

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A. Einleitung 19

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19 A. Einleitung 1. Einführung in die Problemstellung Das 19. Jahrhundert in Deutschland war gekennzeichnet durch die Entstehung eines einheitlichen territorialen deutschen Reichs, das seine Anfänge mit dem Staatenbund deutscher Souveräne, dem Deutschen Bund von 1815 nahm, nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866 zur Gründung des Nord- deutschen Bundes führte und schließlich 1871, nach dem Sieg gegen Frankreich, als Deutsches Reich, und damit als einheitlicher Bundesstaat, seine vorläufige Vollendung fand. Einherging mit dieser Entwicklung auch die Vereinheitlichung des Wirtschaftsraumes, deren frühes Ergebnis die noch in der National- versammlung der Frankfurter Paulskirche beschlossene, allgemeine deutsche Wechselordnung von 1848/49 war. Das Institut des Wechsels war innerhalb des arabischen Wirtschaftslebens ent- standen und von Italien aus in Deutschland und ganz Europa verbreitet worden. Lange Zeit beruhte das Wechselrecht nur auf dem Gewohnheitsrecht der Wechs- ler und Kaufleute, wurde indes später in stärker werdendem Maße von Gesetz- gebung und Wissenschaft geprägt: Die ersten deutschen Wechselordnungen wa- ren zu Anfang des XVII. Jahrhunderts erlassen worden, so in Hamburg 1603, in Nürnberg und Leipzig 1621, in Friedrichsstadt 1633. Zur Zeit der Entstehung der allg. dt. Wechselordnung, gab es in Deutschland bereits über 50 gesetzliche Wechselordnungen. Im Königreich Bayern beispielsweise galten allein folgende fünf: die Nürnberger Wechselordnung vom 16. Februar 1722, die Augsburger Wechselordnung von 1716, die am 5. November 1778 revidiert wurde, sowie die ursprünglich für Bayern und die Oberpfalz im Jahre 1776 erlassene Wechsel- ordnung...

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