Show Less

Die Wechselverpflichtung im 19. Jahrhundert

Series:

Judith Freund

Im frühen 19. Jahrhundert entsteht ein gemeinsamer deutschsprachiger Wirtschaftsraum. Einher geht die Vereinheitlichung der Wechselgesetzgebung hin zur allgemeinen deutschen Wechselordnung von 1849. Diese legt sich auf keine bestimmte rechtliche Vorstellung fest. Damit bleibt Raum für die Entstehung zahlreicher unterschiedlicher Wechselrechtstheorien. Gleichermaßen nimmt aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung die Bedeutung des Wechsels in der Geschäftswelt zu. Den Wechseltheoretikern stellt sich auch das Problem, wie die neu hinzugekommene Gesetzgebung, wie das ADHGB und das BGB, damit harmonisieren können. Untersucht werden diese Theorien nach ihrer Bedeutung in Kommentaren und in Aufsätzen der neu herausgegebenen handelsrechtlichen Zeitschriften. Dabei werden die wichtigsten Problemkreise wie die rechtliche Einordnung der Tratte, des Indossaments, des Akzepts und der Wechselfähigkeit behandelt. Außerdem werden die zum Teil vehement geführten Diskussionen zwischen den Beteiligten nachgezeichnet. Ergebnis ist, dass jede Theorie eine gewisse Plausibilität besitzt und Institute wie der einseitige Vertrag und der Rechtsschein allmählich von der Wissenschaft akzeptiert werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

C. Schlussbetrachtung 419

Extract

419 C. Schlussbetrachtung a) zur Tratte Im Anfang der Wechselordnung wurde die Rechtsnatur der Tratte mit der An- weisung vor allem von Dogmatikern mit kaufmännischem Hintergrund, wie La- denburg396, aber auch von Schmalz397 und noch einige Zeit später von Dernburg und Cosack398 verglichen. Als ein eigenständiges, wechselrechtliches Institut fassten die Tratte schon im Vorfeld der allg. dt. Wechselordnung z.B. Hofacker, Einert, Mittermaier, Liebe399 auf. Mit der allg. dt. Wechselordnung wurde diese Ansicht die herrschende; selbst Savigny40° erkannte sie an. Vertreter der ur- sprünglich überwiegenden Ableitung der Wechselverpflichtung aus einem Ver- trag waren Schmalz, Hofacker, Albers oder Mittermaier401. Einert402 aber schuf mit seiner Papiergeldtheorie und der Betonung der Skriptur die Grundlage dafür, die Wechselverpflichtung aus einer einseitigen Willenser- klärung zu erklären. Diese Auffassung begründete Brauer403 später eingehender, Kuntze404 baute sie zu seiner Kreationstheorie aus, die mit der Annahme eines formellen Kontrakts (so Savigny, Bluntschli, Bähr, Biener405) in Konflikt geriet. Die später aufgeworfene Frage nach dem letztlich entscheidenden Zeitpunkt der Begründung der Trattenverpflichtung wurde entsprechend unterschiedlich gelöst. Während Siege1406 in seiner strengen Auslegung der Kreationstheorie diesen mit dem Zeitpunkt der Niederschrift, Goldschmidt407 in seiner Bege- 396 Ladenburg, Wechselvertrag, ArchWR 1, S. 35 (vgl. unter 11.4.). 397 Schmalz, Lehrbuch, § 285, S. 141 (vgl. unter I.1.). 398 Dernburg, Schuldverhältnisse, 2. Abt., § 247, S. 233, 234 (vgl. unter 111.5.); Cosack, Handelsrecht, 3. Aufl., § 43, S. 258 f (vgl. unter 111.7.). 399 Hofacker, Motive, S. 459 (vgl. 1.2.); Einert, Wechselrecht, Einleitung,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.