Show Less

Geschlechter-F(r)iktionen – F(r)ictions des genres

Geschlechterphantasien im literarischen Diskurs- Fantasmes des genres dans le discours littéraire

Series:

Gislinde Seybert

Der Band kann als fragmentarische Vergleichende Literatur- und Kulturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert rezipiert werden. Der erste Teil enthält Aufsätze zu den vieldeutigen Narrativen von George Sand und Donatien-Alphonse-François de Sade mit der ästhetischen Verwandlung der geschlechterspezifischen und realgesellschaftlichen Ungerechtigkeiten ihrer Zeit. Der zweite Teil vertieft die interpretative Analyse der literarischen Bearbeitung von geschlechterspezifischer Ungleichheit, Gewalt und Machtmißbrauch in Aufsätzen zu Casanova, zur Romantik und zur paradoxen Schreibsituation von Schriftstellerinnen wie Yourcenar, Nin, Triolet und Beauvoir bis zu den intellektuell-fantastischen Exzessen von Nothomb.
Ce livre peut être regardé comme les fragments d’une histoire littéraire comparée du 18 e au 20 e siècle. La première partie contient des articles sur les romans et les textes autobiographiques de George Sand et les romans philosophiques de Donatien-Alphonse-François de Sade qui transposent les injustices et la violence sexuée de leurs époques en préfigurant la modernité. La deuxième partie analyse l’inégalité sociale, et les abus du pouvoir dans l’autobiographie de Casanova. Les romantiques Ludwig Tieck et E.T.A. Hoffmann présentent des réalités parallèles. Les articles sur les femmes-écrivains Yourcenar, Nin, Triolet et Beauvoir accentuent la situation paradoxe de la femme qui écrit.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2. Teil. Geschlechter-Friktionen. Literatur und Politik

Extract

2. Teil Geschlechter-Friktionen Literatur und Politik Schreibende Frauen Wie Madame de Sévigné und Madame de Lafayette legte Germaine de Staël geb. Necker (1766-1817) Wert auf ihre Seriosität und gesellschaftliche Stellung und ließ sich mit Madame ansprechen. Sie verstand sich als politische und belletristische Schriftstellerin sowie als Kosmopolitin aus Neigung und Notwendigkeit. Den einen war sie Gegenstand des Spottes, den anderen der Verehrung und Bewunderung – wie nach ihr George Sand. On sait comment les grands hommes la fuyaient parce qu’elle était tellement intrusive et tellement sûre d’elle-même que ça frisait le ridicule en effet [...]1 sagt selbst Julia Kristeva, die fern jeder Voreingenommenheit ist. Hierbei spielte gewiß die offene politische Parteinahme eine Rolle, aufgrund derer Germaine de Staël in Frankreich als nationale Nestbeschmutzerin diffamiert wurde, die die Geheimdiplomaten der europäischen Fürstenhöfe in Verlegenheit brachte. Zur gleichen Zeit schrieb in der englischen Provinz von Hampshire als Pfarrers- tochter und ›alte Jungfer‹ Jane Austen (1775-1817) ihre Romane über die Schicht der verarmten Landadligen und kinderreichen Pastoren, die den verlorenen Kampf um Besitz mit der hypochondrischen Sorge um Gesundheit und Moral der zu verheira- tenden Töchter kompensierten. Der Einbruch der Zeitgeschichte erfolgte in Romanen, in denen die Heldin die Gefahr der gesellschaftlichen Situation erkennt und sich in spontanen Akten da- gegen wehrt. Die Überwindung der anerzogenen Selbstkontrolle, die durch soziale Gewalt erzwungen wurde, erschreckte in dem Roman Die Familie Seldorf (1795/96) von Therese Heyne-Forster-Huber, einer Göttinger Professorentochter. Insbeson- dere tadelte die Kritik, da...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.