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Arzt-Patienten-Gespräche als L2-L1-Kommunikation

Eine Diskursanalyse zu Deutsch als Fremd- und Zweitsprache im Beruf

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Almut Schön

In Deutschland arbeiten zunehmend Ärzte aus dem Ausland, die auf Deutsch mit ihren Patienten kommunizieren. In der Studie werden diese Gespräche aus diskurslinguistischer Sicht betrachtet. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei ärztliche Anamnesegespräche. Die Gespräche wurden aufgezeichnet, in Gänze transkribiert und mit Bezug auf die Foucaultsche Diskursanalyse und die Forschung zur L1-L2-Kommunikation analysiert. Die Arbeit untersucht die Architektur des Verstehens in diesen Gesprächen und erforscht, wie berufliche Kommunikation verläuft, wenn Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache verwendet wird.

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3. Zur Methode der Datenerhebung und Korpuskonstitution

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Wie in Kapitel 2.1.2 ausgeführt wurde, hat Foucault Diskurs zum einen als „Gruppen von Aussagen“ (Foucault AdW 2008: 505) und zum anderen als „Praktiken“ (ibid.: 525) bestimmt. Daraus ergibt sich, dass die einzelnen Aus- sagen nicht per se existieren, sondern Ergebnis gesellschaftlicher Praktiken sind, da sie durch diskursive Regeln ermöglicht oder ausgeschlossen werden. Eine zentrale These dieser Arbeit ist, dass sich diese diskursiven Regeln auch durch die Untersuchung von Gesprächen beschreiben lassen. Im Sinne eines „methodologischen Holismus“ (Diaz-Bone 2006: Abs. 2) soll die Diskurs- analyse nach Foucault hier im Folgenden als methodologischer Leitgedanke bei der Datenerhebung, der Korpuskonstitution und der Analyse der Daten dienen: „Die Theorie begründet die Regeln für die empirische Forschung“ (ibid.). Wegweisend sind dabei Grundüberlegungen des Poststrukturalismus. Die Ana- lyse soll also nicht verborgene „Tiefenstrukturen“ auf der anderen Seite der Textoberfläche zutage fördern. Sie soll anhand der Prinzipien, die Foucault in Die Ordnung des Diskurses und Archäologie des Wissens formuliert hat (s. Ka- pitel 2.1.2), die vorhandenen Diskurse und ihr Wechselspiel erkennbar und be- schreibbar machen. Dabei soll sie auch die Ermöglichungs- bzw. Ausgren- zungspraktiken aufzeigen, die bestimmte Aussagen etablieren oder verhindern und die zum Wesen des Diskurses gehören. Eine solche Analyse überschreitet den Rahmen einer „reinen“ Gesprächs- oder Textlinguistik, indem sie notwendigerweise den Kontext einer Äußerung mit in die Analyse einbeziehen muss. Die Räume, in denen die Gespräche statt- fanden, die Gespräche vor und nach den Gesprächen, die Institution,...

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