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«Und Faustens Silhouette in der Ferne»

Beiträge zu Poetik und Linguistik: Deutsch – Russisch

Larissa Naiditsch

Die im Buch versammelten Aufsätze befassen sich mit Themen aus den Bereichen der Sprachwissenschaft, der Stilistik und der Analyse des poetischen Textes. Das sind z.B. der Zusammenhang zwischen Grammatik und Poetik, die Theorie der Übersetzung und die historische Lexikologie. Die Autorin geht Roman Jakobsons Frage nach, was eine verbale Botschaft zu einem Kunstwerk macht. Sie beleuchtet auch wechselseitige Widerspiegelungen zwischen deutscher und russischer Sprache und Literatur, z.B. anhand der Übersetzungen von V.A. Žukovskij, der Einwirkung Ossip Mandelstams auf Paul Celan, der russischen und deutschen Ethno-Adjektive und des Geschicks der russischen Germanistik während des Zweiten Weltkriegs. Die Erforschung der Dialekte und der Geschichte der Russlanddeutschen bildet einen selbständigen Abschnitt.

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Aus der Geschichte der Germanistik

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Petersburger Germanistik und Germanisten während des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren Einführende Bemerkungen Im Mai 2005 feierte man den 60. Jahrestag des Sieges über den deutschen Na- zismus im Zweiten Weltkrieg. In diesem Zusammenhang wurde ich gebeten, ei- nen kleinen Beitrag zum Thema „Leningrader Philologen im Zweiten Weltkrieg“ zusammenzustellen453. Das Thema war mir sehr nah, da es mit dem Leben mei- ner Eltern, meines Onkels und meiner Tanten und schließlich meiner Universi- tätslehrer zusammenhing. In meiner Kindheit schien die Kriegszeit sowohl fern als auch lebendig zu sein, was dadurch erklärt werden kann, dass der Krieg eine Trennlinie im Leben der Generation meiner Eltern bildete. Man pflegte zu sagen: „Das war vor dem Krieg“ oder „Das war nach dem Krieg“. Nicht alles, was Menschen erlebt hatten, wurde erzählt, u.a. wegen eines in der Psychologie be- kannten Tabus: Man verschweigt das Schwere und Tragische. In den ersten Nachkriegsjahren, sogar -jahrzehnten bestand auch die offizielle Doktrin in der Verschweigung der Tragik und der alltäglichen Schwierigkeiten des Krieges. So erinnert sich die bekannte Kriegsdolmetscherin Elena Rževskaja, wie sie am En- de der 40er Jahre einige Erzählungen über ihre Arbeit an der Front publizieren wollte. Die Texte, die sie in die Redaktion einiger Zeitschriften eingereicht hatte, wurden aber abgelehnt, weil sie angeblich zu traurig seien und zu viel das alltäg- liche Leben im Krieg behandeln, was nicht interessant sei454. Somit blieb bis in unsere Zeit trotz einiger Publikationen Manches nach wie vor ungekl...

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