Show Less

Anti-suit Injunctions

Gerichtliche Zuständigkeitskontrolle im europäischen Zivilverfahrensrecht durch Prozessführungsverbote

Series:

Christian Probst

Diese Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage der Vereinbarkeit englischer anti-suit injunctions mit dem europäischen Zivilverfahrensrecht. Die Arbeit spannt dabei zuerst einen Bogen von der Genese bis zur modernen Ausprägung der anti-suit injunction in England und gibt anschließend einen Überblick über die Rechtslage in der Welt. Im Hauptteil untersucht der Autor, in welchen Fallgruppen Prozessführungsverbote im europäischen Rechtsraum zur Anwendung gelangen. Dabei setzt er sich umfassend mit der kontrovers geführten Diskussion über ihre Vereinbarkeit mit dem europäischen Zivilverfahrensrecht auseinander und unterbreitet gezielte Handlungsvorschläge. Zur Lösung des bestehenden Konflikts und Weiterentwicklung der Rechtslage werden schließlich mögliche Alternativen zum Einsatz von anti-suit injunctions aufgezeigt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

IV. TEIL WELTWEITE VERBREITUNG DER PROZESSFÜHRUNGSVERBOTE

Extract

189 I V . T E I L WELTWEITE VERBREITUNG DER PROZESSFÜHRUNGSVERBOTE Nachdem die Rechtslage im Ursprungsland der anti-suit injunction erörtert worden ist, soll im folgenden Abschnitt im Überblick das weltweite Vorkommen der Prozess- führungsverbote in anderen Jurisdiktionen untersucht werden. § 16 RECHTSORDNUNGEN DES ANGLOAMERIKANISCHEN RECHTSKREISES Das englische Recht hat über die Jahrhunderte weltweite Verbreitung gefunden und unterscheidet sich deutlich von anderen Rechtsordnungen der Welt. Die Errichtung eines weltumspannenden Kolonialreichs in früheren Jahrhunderten führte zur Verbrei- tung des englischen Rechtssystems durch Verwaltung und Handel. Auch wenn die ehemaligen Kolonien in Nordamerika, Zentral- und Südafrika, Süd- und Südostasien sowie Ozeanien mittlerweile ihre volle Unabhängigkeit erlangt haben, bleibt der Ein- fluss des englischen Rechts in diesen Ländern nach wie vor durch das Weiterbestehen von Rechtsvorstellungen, Institutionen und Methoden des common law bestehen und ist somit für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung weiterhin maßgeblich.906 Berücksich- tigt man zusätzlich die wirtschaftliche Bedeutung der Staaten, die unter dem Einfluss des englischen Rechts stehen, so erhält man den Eindruck, dass das englische Recht – bislang zumindest – die wichtigste Rechtsordnung der Welt darstellt. Zusätzlich zu der weltweiten Verbreitung erfolgte die Entwicklung des englischen Rechts in deutlicher Abgrenzung zu anderen vorherrschenden großen Rechtskreisen, wie etwa dem romani- schen oder deutschen. Für das common law charakteristisch ist der Rückgriff auf meh- rere Jahrhunderte altes Fallrecht der Obergerichte sowie die tendenzielle Zurückhal- tung des Gesetzgebers bei der Kodifikation von Rechtssätzen.907 Die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.