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Die Verhinderung der Vollendung beim strafbefreienden Rücktritt

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Sandra Koch-Schlegtendal

Der Gesetzgeber gewährt dem Täter grundsätzlich die Möglichkeit von dem Versuch einer Tat strafbefreiend zurückzutreten. Doch warum kann der Täter überhaupt zurücktreten? Wann kann er tatsächlich (noch) zurücktreten und vor allem, welche Handlungen und/oder Maßnahmen muss er konkret ergreifen, um in den Genuss der Straffreiheit bezüglich der versuchten Tat zu kommen? All diesen Fragen widmet sich dieses Buch. Der Schwerpunkt liegt hierbei insbesondere bei der Problematik, welche Qualität das Rücktrittsverhalten des Täters haben muss, damit ihm das Privileg des strafbefreienden Rücktritts zu Gute kommt. Anhand von Rechtsprechung und Literatur werden die zum Teil sehr konträren Ansichten dargestellt und einer genauen Prüfung unterzogen.

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1. Kapitel: Allgemeines zu der Versuchslehre

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A. Die geschichtliche Entwicklung der Versuchslehre „Strafbarkeit des Versuchs ist das Zeichen eines fortgeschrittenen Rechts. Älte- ren Zeiten der Erfolgshaftung ist der Gedanke fremd, da kein Schaden eintrat“11. Aus diesem Satz lässt sich erkennen, dass das Versuchsstrafrecht, wie wir es heute kennen, lange Zeit nicht in dieser Form bekannt war. Ob wirklich das reine „Erfolgsstrafrecht“ am Anfang einer jeden strafrechtlichen Entwicklung stand, kann dahin stehen, da es für die Frage, wie sich das Versuchsstrafrecht entwi- ckelt hat, unerheblich ist. Tatsache ist, dass sich der Versuchsbegriff und somit auch das Versuchsstrafrecht erst im Laufe der Zeit entwickelt hat. I. Das römische Recht Dem frühen römischen Recht (6. – 3. Jahrhundert v. Chr.)12 war der Versuch als solcher und somit auch eine mögliche Strafbarkeit unbekannt. Das frühe römische Recht stellte bei der Frage der Strafbarkeit vor allem auf den (To- des)Erfolg ab (exitus). Der Erfolg wurde bestraft, während der Wille (voluntas) zur Begehung einer Straftat keine Bedeutung hatte. Erst unter dem Einfluss von griechischen Philosophen (3. Jahrhundert v. Chr. – 3. Jahrhundert n. Chr.)13 stell- te das römische Recht mehr und mehr auch auf den Willen des Täters und eben nicht mehr einzig auf den Erfolg der Handlung ab14. Ab dieser Zeit erlangte auch die Versuchsstrafbarkeit zunehmend an Bedeutung. Bei den delicta privata wur- de zwar nach wie vor nur wegen des eingetretenen Schadens bestraft, bei den criminae publicae dagegen auch schon der Entschluss an sich. Dieser Entschluss wurde...

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