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Stellenkommentar zu Christoph Martin Wielands «Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva»

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Nicki Peter Petrikowski

Mit dieser Arbeit liegt erstmals ein umfangreicher Stellenkommentar zu Wielands Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva vor, der als erster moderner Roman der deutschen Literatur bezeichnet worden ist. Trotzdem hat er in der Forschung verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit gefunden. Dies erklärt sich zum Teil aus der ihm vorgeworfenen Frivolität, die ihn auch heute noch zu einer vergnüglichen, aber keinesfalls anspruchslosen Lektüre macht. Der Stellenkommentar soll dem Leser die Schwierigkeiten des bald 250 Jahre alten Textes überwinden helfen, literarische Hintergründe erschließen, Forschungsperspektiven aufzeigen und Interpretationsansätze liefern. Sowohl interessierten Laien als auch Fachwissenschaftlern soll somit ein einfacherer – und hoffentlich ertragreicher – Umgang mit Wielands erstem Roman ermöglicht werden.

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Zum dritten Buch

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Das dritte Buch beginnt „ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht”787, also kurz nach Anbruch des dritten Tages, und erzählt die Ereignisse bis zum frühen Abend. Indem Don Sylvio und Pedrillo ihre Flucht aus Rosalva kurz nach Mitter- nacht beginnen, als die übrige Gesellschaft sich bereits zu Bett begeben hat, treten sie aus der konventionellen Zeitordnung aus, was ihr Überwinden der gesellschaft- lichen Zwänge unterstreicht. Die Zeit ihres Aufbruchs markiert einen „Wende- punkt, da um M[itternacht] zwei Tage miteinander ringen”788, der alte Tag endet und ein neuer beginnt. Die Reaktion Pedrillos, der „sich fürchtete bey nächtlicher Weile durch einen Wald zu reisen, wo seine Phantasie alles was er sah, in Gespens- ter verwandelte”789, entspricht dem gängigen Aberglauben, der die Stunde von Mit- ternacht bis 1 Uhr als Geisterstunde betrachtet790, demzufolge in seiner Vorstel- lung, wie er bereits vor Beginn ihrer Reise erklärt hatte, die „Nacht [...] ohnehin Niemands Freund“791 ist. Die Finsternis der Nacht, Gegenbild zum Licht der Auf- klärung, wirkt fördernd auf den Aberglauben. Dass Pedrillo sich anstatt vor natürli- chen Gefahren wie etwa dem Verlaufen oder Stürzen in der Dunkelheit vor ein „paar tausend Gespenster[n], Drachen und Stachelschweine[n]“792 fürchtet, ver- weist zurück auf die „Psychologische[n] Betrachtungen“793, die der Erzähler im dritten Kapitel des ersten Buchs anstellt, nach denen die „Natur selbst, deren anhal- tende Beobachtung das sicherste Mittel gegen die Ausschweiffungen der Schwärmerey ist,...

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