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Schreiben für den Hof als Weg in den Hof

Der "Pentalogus </I>des Enea Silvio Piccolomini (1443)

Kristina Wengorz

Der Pentalogus ist die erste Schrift, die der Sekretär und poeta laureatus Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) am Hof Friedrichs III. verfasste. Er ist Ausdruck seines humanistischen Selbstverständnisses. In Dialogform schildert Enea Silvio ein fiktives königliches Ratsgespräch über die Themen Hof und Fürst sowie Kirche und Reich. Damit will er am Hof ein erweitertes Bewusstsein für die Bedeutung des Humanismus wecken und sich selbst sozial und politisch neu positionieren: Künftig will (und wird) er hier vor allem als Gesandter, Redner und königlicher Rat wirken. Die Frage nach den Funktionen des Humanismus lenkt bei der Analyse und Interpretation der literarischen Form und der Themen des Pentalogus den Blick auf Enea Silvio und die Leser des Dialoges («den Hof») gleichermaßen.

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Teil B: Die Themen des Pentalogus

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247Die Themen des Pentalogus Während Enea Silvio Piccolomini als Sekretär der römischen Kanzlei bereits Teil des Hofes Friedrichs III. war, erschreibt er sich mit dem Pentalogus eine Position im inneren Kreis des Hofes. Doch er positioniert sich mit ihm nicht nur als Dichter und Humanist auf dem literarischen Feld, sondern inszeniert sich zugleich im engeren Rat des Königs und damit in einer zentralen Stellung auf dem Feld der Macht. So sind denn auch die politischen Themen des Pentalogus, die Themen Kirche, Reich sowie Hof und Fürst, keineswegs von sekundärer Bedeutung, vielmehr ist gerade diese the- matische Auswahl Ausdruck des Selbstverständnisses Enea Silvios als politisch denkender und handelnder Humanist. Als Mitglied des Hofes und von Friedrich III. gekrönter Dichter erhebt er Anspruch auf die Teilhabe am politischen Diskurs und damit ganz konkret auf Anteil an der Macht. Oder, wie Caspar Hirschi es formulierte: Enea Silvio erhebt Anspruch auf eine Rolle als ›Gelehrtenpolitiker‹.1 Während Enea Silvio explizit je eines der Fünfergespräche des Pentalogus den Angele- genheiten der Kirche und des Reiches (de rebus ecclesie atque imperii) widmet,2 erschließt sich der dritte große inhaltliche Komplex, die Thematik de curia, eher implizit über das Vorhaben, dem Verstand des Königs den Weg ad veram virtutem aufzuzeigen,3 sowie durch die Verortung des Dialoggeschehens am Hof. Mit gleich drei großen Themenkomplexen ist die erste große Schrift Enea Silvios am Hof Friedrichs III. inhaltlich ambitioniert angelegt. Zum einen w...

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