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Malta und die Boatpeople

Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung

Sarah Weber

Europa ringt an seinen Außengrenzen, aber auch im Innern, um Integration. Immer dringlicher wird die Frage nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens. Die Arbeit nimmt dieses Problem auf der Mittelmeerinsel Malta in den Blick. Dort treffen durch Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Ihre Lebenswelten geraten dadurch in Bewegung: Sie erleben dabei Momente der Irritation und der Unsicherheit. Die Studie geht nicht dem Offensichtlichen nach, sondern analysiert die Komplexität alltäglicher Interaktionen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Damit gibt sie einerseits neue Antworten auf die Frage, was derzeit an den Grenzen Europas geschieht, und andererseits Impulse zum Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft einander begegnen wollen.

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1 EINLEITUNG

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xii Inhaltsverzeichnis 6.4.3 Das Blickregime: Der mitleidige Blick, der vereinheitli- chende Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310 6.4.4 Vertrauen als zentrales Element der Begegnung . . . . . . 314 6.4.5 Lachen als Widerstand – Zur Tragikomik interkulturel- ler Begegnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318 6.5 Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 322 7 Schlussbetrachtung 327 Literaturverzeichnis 333 Anhang 377 1EINLEITUNG Mein Kellerzimmer steht unter Wasser. (. . . ) Steve1 kommt, um den Wasserschaden zu begutachten, diskutiert mit J., meiner Schwester, über die Kosten. „500 wird es kosten“, sagt er. „So viel“, sagt J. „Die Polen machen es nicht mehr so günstig, noch nicht mal die Schwar- zen“, antwortet er. „Es kommen nicht mehr so viele, deshalb steigen die Stundenlöhne.“ „Du bist der erste Malteser, den ich kenne, der sich darüber beschwert, dass zu wenige Klandestini2 da sind“, scherzt mei- ne Schwester. Steve erwidert: „Na ja, ich hasse diese Bastarde, wenn ich ein Gewehr hätte, würde ich sie alle erschießen.“3 Die kurze Szene zwischen einemmaltesischenHandwerker undmeiner Schwes- ter, bei der ich zu Beginn meines ersten Feldaufenthaltes wohnte, könnte sich so überall auf Malta abgespielt haben – wahrscheinlich auch heute, über vier Jahre später. Hinter den wenigen Sätzen verbergen sich weitreichende Diskurse, die die Gesellschaften Europas aktuell herausfordern. Immer mehr kritische wissen- schaftliche Studien widmen sich dem Alltagsrassismus in europäischen Gesell- schaften, europäischer Identitätsfindung, der Flexibilisierung des Kapitalismus oder derÖkonomisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. Zweifelsohne sind dies jene wissenschaftstheoretischen Narrative, in die diese Arbeit eingebettet ist. An dieser Stelle möchte ich jedoch zunächst auf einen anderen Punkt...

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