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Malta und die Boatpeople

Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung

Sarah Weber

Europa ringt an seinen Außengrenzen, aber auch im Innern, um Integration. Immer dringlicher wird die Frage nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens. Die Arbeit nimmt dieses Problem auf der Mittelmeerinsel Malta in den Blick. Dort treffen durch Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Ihre Lebenswelten geraten dadurch in Bewegung: Sie erleben dabei Momente der Irritation und der Unsicherheit. Die Studie geht nicht dem Offensichtlichen nach, sondern analysiert die Komplexität alltäglicher Interaktionen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Damit gibt sie einerseits neue Antworten auf die Frage, was derzeit an den Grenzen Europas geschieht, und andererseits Impulse zum Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft einander begegnen wollen.

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7 SCHLUSSBETRACHTUNG

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7SCHLUSSBETRACHTUNG „Kaum je haben wir die Zeit, innezuhalten, nachzudenken und einen ernsthaften Versuch des Verstehens zu machen.“ (Bauman 2000: 91) Dies schreibt Bauman im Zusammenhang mit der Beobachtung, dass die Welt uns täglich fremd und als Ansammlung von Fremden erscheint, deren Leben wir nicht kennen, deren Verhalten wir nicht verstehen, die möglicherweise un- sereWerte nicht teilen. Vielleicht könnenwir in diesem Sinne die Ethnologie als Wissenschaft des Innehaltens bezeichnen: Für einen kurzen Augenblick stehen wir still, hören zu und lassen uns vom Leben der Fremden erzählen, uns den Sinn und Wider-Sinn ihres Verhaltens erläutern und ergründen im Gespräch und in der Begegnung Wertvorstellungen – die unseres Gegenübers, aber auch unsere eigenen. Die von meinen Gesprächspartnern auf Malta erzählten Geschichten zeigen, dass sich die als nahezu undurchlässig und starr gedachte Grenze zwischen den Nord- und Süd-, den West- und Ostufern des Mittelmeeres immer wieder in kleinste Partikel aufspaltet, so dass eine Matrix aus zersplitterten Geschichten zuGrenzsituationen undGrenzbegegnungen entstanden ist, die über viele Kno- tenpunkte miteinander verbunden sind. Einige dieser Knotenpunkte solltenmit Hilfe einer Theorie der interkulturellen Begegnung aufgespürt werden, wie ich sie im zweiten Kapitel entwickelt habe. Begegnung habe ich als intersubjekti- ven Vorgang konzipiert, der das Potenzial hat, die Lebenswelten der sich begeg- nenden Subjekte nachhaltig zu verändern. Dabei habe ich neuere Ansätze zur interkulturellen Kommunikation weitergedacht, die Dissens und Uneinigkeit als Ausgangspunkt und produktiven Prozess von Begegnung sehen, um Macht- verhältnisse zwischen Subjekten...

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