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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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7 Samuel Beckett: Compagnie

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7.1 Compagnie: eine unmögliche Autobiographie Obwohl er durch seine Theaterstücke berühmt wird, misst Beckett seinem Ro- manwerk größere Bedeutung zu als seinen Stücken für die Bühne. Zwar gewährt die Arbeit für das Theater Beckett vorübergehend Distanz zu seinem jeweiligen Romanprojekt, er beschreibt das Verfassen von En attendant Godot als eine „wunderbare Zerstreuung216“, nichtsdestotrotz kehrt er immer wieder ‚zu den ernsthaften Dingen’, dem Roman, zurück. Diese unterschiedliche Wertschätzung lässt sich womöglich darauf zurückführen, dass, wie Ludovic Janvier in seinem Aufsatz Roman/Théâtre festhält, sich die Figuren im Roman sich selbst zuwen- den, „le roman [...] va vers le moi“, während die Figuren auf der Bühne die Be- gegnung mit sich selbst vermeiden: „leurs regards et leurs gestes montrent qu‘ils partent d‘eux-mêmes avec une espèce de soulagement, chose impossible dans le roman où les gens ne peuvent jamais se quitter“.217 Der Roman eröffnet Raum für Reflexionen, die im Theater nicht in ver- gleichbarer Form umgesetzt werden können.218 Obwohl Beckett zunächst nichts gegen eine Übertragung seiner Kurzprosa auf die Bühne einzuwenden hat, sogar selbst an einigen Bühnenfassungen seiner Texte mitwirkt, so auch im Falle von Compagnie219, das er gemeinsam mit Chaberts und Gontarsky 1984 und 1985 inszeniert, verwahrt er sich später gegen jegliche Form theatraler Darstellung seiner Prosa.220 Becketts Spätwerk privilegiert zunehmend die reine Reflexion, die nicht mehr an ein Subjekt gebunden...

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