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Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

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Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

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2. Freiheit und Idealismus –Schiller als Existentialist

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17 2. Freiheit und Idealismus – Schiller als Existentialist 2.1 Schillers Erhabenheitstheorie aus der Perspektive des 20. Jahrhunderts Schillers Auseinandersetzung mit dem Erhabenen ist Teil einer Tradition, die – so wird vermutet – gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. mit dem Traktat Perí hýpsous des (Pseudo-)Rhetorikers Longinus ihren Anfang nimmt und in dem das Erhabene in der Rhetorik und Poetik thematisiert wird. 1674 veröffent- licht Nicolas Boileau-Despréaux eine Übersetzung dieser Abhandlung und ent- facht damit einen theologisch-poetischen Disput über den Status des Kunst- werks. Im Zuge dessen setzt ein Wandel in der Einschätzung des Erhabenen ein: „Die Frage lautet nicht länger: wie Kunst machen?, sondern: was heißt es, Kunst zu erfahren?“14 Im Fokus steht nicht mehr der Schöpfer eines Kunstwerks, son- dern der Rezipient; damit gewinnt in der Beurteilung des Erhabenen die Ästhetik an Bedeutung, während Rhetorik und Poetik in den Hintergrund treten. Die Frage nach dem Ursprung der Vorstellung vom Erhabenen und Schönen, die Edmund Burke 1757 in seiner Abhandlung Philosophical Enquiry into the Ori- gin of our Ideas of the Sublime and Beautiful thematisiert, wird auch von Kant in seiner Kritik der Urteilskraft aufgegriffen. Burke und Kant sind sich darin einig, dass der Mensch in Anbetracht des Schönen Lust empfindet, während es sich beim Gefühl des Erhabenen um ein Gemisch aus Lust und Unlust handelt, das durch die Anschauung eines großen, mächtigen Gegenstandes der Natur (z.B. Wüsten, Berge, Vulkanausbrüche) entsteht. Dabei erw...

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