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Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

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Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

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3. Freiheit und Existentialismus –Sartre als Idealist

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45 3. Freiheit und Existentialismus – Sartre als Idealist 3.1 Die Freiheit in Das Sein und das Nichts Als Sartre 1943 mit Das Sein und das Nichts140 sein philosophisches Hauptwerk veröffentlicht, ist er bereits bekannt als der Verfasser von Schriften wie Die Trans- zendenz des Ego (La transcendence de l’égo, 1937), Das Imaginäre (L’imaginaire, 1940) und seines ersten Romans Der Ekel, der innerhalb der Sartre-Forschung von vielen als sein bedeutendstes literarisches Werk betrachtet wird. 1940 war Sartre in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und nur mit Hilfe gefälschter Entlassungspapiere 1941 aus ihr entkommen.141 Er, der weiß, was es bedeutet, seine Freiheit zu verlieren, unternimmt in Das Sein und das Nichts den Versuch, der Grundlosigkeit und Zufälligkeit menschlicher Existenz Würde entgegenzusetzen – in Form von Freiheit. Zugleich erscheint Das Sein und das Nichts wie eine Antwort auf die westliche Philosophie der vorhergehenden drei- hundert Jahre. So greift er gleich zu Beginn seines Werks Descartes’ Begriff des „cogito“ auf, meint damit jedoch etwas anderes als jener: Daraus also, daß ich weiß, ich existiere und daß ich [...] bemerke, daß durchaus nichts ande- res zu meiner Natur [...] gehöre, als allein, daß ich ein denkendes Ding bin, schließe ich [...], daß meine Wesenheit allein darin besteht, daß ich ein denkendes Ding bin.142 Nach Descartes liegt also das menschliche Sein im Bewusstsein seiner Selbst als denkendes Wesen begründet. Sartre widerspricht dieser These, indem er sagt: „Das Bewußtsein verlangt einfach, daß das Sein dessen, was erscheint, nicht lediglich existiert, insofern es erscheint....

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