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Propaganda oder Verständigung?

Instrumente französischer Kulturpolitik in Südbaden 1945-1949

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Daniela Högerle

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre sind in der französischen Besatzungszone von einer außergewöhnlichen Blüte des kulturellen Lebens gekennzeichnet. Von Theater- und Kinovorstellungen über Konzerte und Ausstellungen wurde der Bevölkerung eine Vielzahl an Veranstaltungen geboten. Verlage, Volkshochschulen, Centres de Documentation und Instituts Français wurden gegründet und leisteten einerseits einen Beitrag zur Demokratisierung und Umerziehung der Deutschen, andererseits dienten sie dem deutsch-französischen Austausch und der Verbreitung der französischen Kultur. Ein besonders wichtiger Aspekt französischer Kulturpolitik war die Steigerung des französischen Prestiges. Kultur wurde sowohl als Propagandainstrument als auch als Mittel der Verständigung eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Intention der französischen Kulturpolitik steht deren Realisierung im Mittelpunkt der Arbeit. Am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau wird der Fragestellung nach der Umsetzung der Kulturpolitik und der Resonanz auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten nachgegangen.

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1. Einleitung

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1 „Regrouper les anciens admirateurs du génie français, atteindre et convaincre les jeunes sortant de la guerre, former les adolescents d’aujourd’hui, telle était la mission culturelle, rééducatrice et politique de la France en Allemagne. Il fallait qu’elle fût menée à bien.“2 Als französische Truppen am 21. April 1945 die Stadt Freiburg besetzten, löste dies in der Bevölkerung unterschiedliche Reaktionen aus. Der Erleichterung über das Ende des Krieges und der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Leidens- zeit, stand die Ungewissheit und Angst vor einer Besatzung durch den „Erb- feind" entgegen. Umfragen zufolge wurde die französische Besatzungszone von einem Großteil der Menschen im Südwesten als die schlimmste Besatzungszone überhaupt angesehen.3 Ziel der Alliierten war es, die Deutschen zu entnazifizieren und zu demokra- tisieren. Bestandteil dieser Umerziehungspolitik war die Kulturpolitik, die in der französischen Zone einen hohen Stellenwert einnahm und seither in der Literatur kontrovers diskutiert wurde. Lange Zeit hielt sich in der Forschung das Bild von der unbarmherzigen Sicherheits- und Reparationspolitik der Franzosen. Die Schwarzwaldabholzung und wirtschaftliche Ausbeutung der Besatzungszone für den Wiederaufbau Frankreichs sind nur einige Beispiele. Vor diesem Hinter- grund wurde die französische Kulturpolitik oft als Methode verstanden, um die- se besonders strenge Besatzungspolitik der Franzosen nach außen hin zu ver- schleiern. Im Laufe der Jahre wurde aber immer mehr die These vertreten, dass die Kulturpolitik der Franzosen ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung und Aussöhnung zwischen den Erbfeinden war. Dies war...

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